Objekt des Monats November 2013
Wurstprobiermesser
Elmshorn und seine Lotsenwurst. Die Elmshorner Lebensmittelindustrie ist vielseitig. Die Fleisch- und Wurstwarenproduktion ist neben der Getreideverabeitung in Elmshorn noch heute ein wesentlicher Industriezweig, der von internationaler Bedeutung und langer Tradition zeugt. Das Museumsobjekt des Monats November ist ein Wurstmesser mit Namenszug „Claus Dölling“, des über 100 Jahre alten und in vierter Generation geführten Elmshorner Unternehmens.
Fleischkonserven und Kunstbutter
In den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts wuchs Elmshorns Wirtschaft rasant an. Rund um den Hafen siedelten sich große Industriebetriebe an, die dafür sorgten, dass der Verkehr entlang des Hafens an seine Grenzen kam. Bauern aus dem Umland kauften Mastfutter von den Elmshorner Mühlenbetrieben und belieferten die Elmshorner Schlachter mit den gemästeten Schweinen.
Die Firma Rostock gilt als die erste eigentliche Fleischwarenfabrik Elmshorns. Friedrich Rostock gliederte 1874 seinem Kolonialwarenladen eine Hausschlachterei an. Zum Ende des 19. Jahrhunderts existierten in Elmshorn bereits über 38 Schlachter und Wurstmacher. Mit dem weiter ansteigenden Fleischkonsum stieg in der Bevölkerung auch der Bedarf nach länger haltbaren Fleischprodukten. 1899 gründeten die drei Söhne Rostocks die „Holsteinische Fleischwarenfabrik Gebr. Rostock F.S.“ Damit beginnt die industrielle Fleischverarbeitung in Elmshorn. Noch vor dem Ersten Weltkrieg erweiterte die Firmengruppe Rostock ihr Portfolio mit der Margarineherstellung. Fortan konnte Rostock die anfallenden tierischen Fette aus der Fleischwarenfabrik direkt weiterverarbeiten.
Marketing und Werbegeschenke
Wenige Jahre später, im September 1907, eröffnete Claus Dölling am Sandberg 11 einen kleinen Schlachterladen. Der Betrieb wuchs schnell an, so dass bereits zwei Jahre nach der Gründung bis zu 80 Schweine pro Woche geschlachtet wurden. Döllings Lotsenwurst, eine Mettwurst nach Familienrezept, ist seitdem der Klassiker schlechthin. Das Objekt des Monats November, das Klappmesser, zählt zu den Neuerwerbungen des Industriemuseums. Der offizielle Begriff dieses ungewöhnlichen flachen Taschenmesser-Modells lautet Wurstprobiermesser. Mit ausgeklappter rostfreier Klinge misst das Taschenmesser eine Länge von 21,5 cm.
Bereits vor 1930 produzierten diesen Typ von Messer überwiegend Solinger Taschenmesserhersteller. Die Firma August Müller Söhne hatte bis in die 1970er Jahre das Messer, in der Produktionslinie. Der Einsatz war ausschließlich für Werbezwecke bestimmt. Dass das Messer aus der Vorkriegszeit stammt, lässt sich auch an dem Stil des dazugehörigen Lederetuis festmachen. Das Leder ist bereits dünn und äußerst fragil. Schließen lässt sich das Etui durch zwei kleine verschränkte Knöpfe. Die Beschalung des Messers ist aus Celluloid im Elfenbeinimitat. Die hauchdünne Neusilberintarsie – Claus Dölling, Wurstfabrik Elmshorn/Holstein – wurde unter Druck und Hitze in das Celluloid eingebrannt. Diese Technik war bis in die 1980er Jahre in Solingen noch gang und gäbe. Die Schleifspuren auf der scharfen Klinge zeugen von regen Gebrauch. Inzwischen gehört die Firma August Müller Söhne der Messermanufaktur Böker. Ein Wurstprobiermesser gibt es nicht mehr im Angebot. Nur wenige Hersteller bieten heute noch dieses Messer an – inzwischen mit einer Probiergabel und Anritzsäge hilfreich erweitert.
Zukünftig wird das Dölling-Wurstprobiermesser in der neu renovierten Ausstellungsfläche im zweiten Obergeschoss zu sehen sein. Neben der Margarineherstellung nimmt die traditionsreiche Elmshorner Fleischverarbeitung einen bedeutenden Platz in der Ausstellung ein und gibt Einblicke in die späte Industrialisierung des Fleischwarengewerbes.
Werbeartikel von Elmshorner Firmen sind ein wesentlicher Schwerpunkt in der aktiven Sammlungstätigkeit des Industriemuseums.
| Inventarnummer | 2013-0137 |
| Datierung | um 1930 |
| Material | Metall, Kunststoff |
| Maße | 12 cm, 0,5 cm, 1,5 cm (l x h x b) |
| Hersteller | August Müller Söhne, Solingen |
| Standort | Industriemuseum Elmshorn |