Objekt des Monats Mai 2016

Über den Ticker laufen: Neue Sonderausstellung zeigt auch Fernschreiber

Ratternd setzt sich der Fernschreiber in Gang. Begleitet von rhythmischem Ticken treffen Nachrichten ein und werden in die Welt hinausgeschickt. Je nach Maschinenart druckt er die Nachrichten dabei auf Papierblätter oder auf dünne Klebestreifen. Immer läuft jedoch ein Lochstreifen mit, auf dem die Texte codiert werden.

Was vor ein paar Jahrzehnten noch gewöhnlicher Alltag in Büros, Nachrichtenagenturen und Fernmeldeämtern war, hat inzwischen musealen Wert: Der Fernschreiber als Mittel zur elektrischen Übertragung von Schrift hat ausgedient, Nachrichten laufen nur noch im übertragenen Sinn über den Ticker. So ist auch das Objekt des Monats zurzeit in der Sonderausstellung des Industriemuseums zum Thema „Schreiben – Von der Klosterurkunde zum Chat“ zu sehen. Es handelt sich um einen schwarzen Fernschreiber der Firma Siemens, Modell T 68 a, das ab 1951 produziert wurde.

Blütezeit des Fernschreibers

Er gehört damit in die Blütezeit der Kommunikation per Fernschreiber in den 1950er bis 1970er Jahren. Der erste Fernschreibwählverkehr in Deutschland startete bereits in den 1930er Jahren. Das so genannte „Telex-Netz“ verfügte 1939 schon über 700 Teilnehmer und erlangte dann ab den 1950er Jahren seine größte Bedeutung.

Über die Wählscheibe an den Geräten konnten die Teilnehmer die gewünschte Verbindung selbst wählen. Den Text ihrer Nachrichten gaben sie über die Tastatur ganz normal wie bei einer Schreibmaschine ein. Der Fernschreiber wandelte die Schrift automatisch in elektrisch übertragbare Zeichen um. Auf dem mitlaufenden Lochstreifen wurde der Text in codierter Form „gespeichert“ – der entsprechende Abschnitt konnte jederzeit wieder von der Maschine eingelesen werden. So konnte die Schreibkraft zunächst alle Nachrichten in Ruhe schreiben. Erst anschließend stellte sie die Verbindung zum gewünschten Empfänger her, um die auf den Lochstreifen festgehaltenen Texte zu senden. Die Übermittlung ging dann schneller, was teure Verbindungsgebühren sparte.

Während in Büros Blattfernschreiber standen, die die Texte auf eingespannte Papierbögen druckten, kamen in den Fernmeldeämtern Streifenschreiber zum Einsatz. Sie druckten eintreffende Telegramme auf Klebestreifen, die auf die entsprechenden Telegrammvordrucke geklebt wurden. Boten verteilten diese anschließend.

Das FZZA in Elmshorn

Die Instandsetzung der Fernschreibtechnik in der gesamten Bundesrepublik oblag dem Fernmeldezentralzeugamt (FZZA) in Elmshorn als überregionaler Einrichtung der Deutschen Bundespost. Alle zwei Jahre mussten die Fernschreiber, die die Teilnehmer des Telex-Netzes nur mieten konnten, dort gewartet werden. Dafür wurden sie komplett auseinandergebaut. Eine Abteilung aus Frauen wusch die einzelnen Teile in Perchlor, bevor sie von den Technikern wieder zusammengebaut und überprüft wurden. Mit dem Text „Kaufen Sie jede Woche vier gute bequeme Pelze, falls Sie das richtige Geld dafür haben. XYZ 123…“ testeten sie alle Tasten auf ihre Funktionsfähigkeit.

Mehr zur Geschichte des Schreibens generell und zur elektrischen Übertragung von Schrift im Besonderen erfahren Sie bis November 2016 in der aktuellen Sonderausstellung „Schreiben – Von der Klosterurkunde zum Chat“ im Industriemuseum Elmshorn.

Inventarnummer 2009-0121
Datierung ab 1951
Material Metall, Kunststoff, Glas
Maße: L 33 cm, B 37 cm, H 39 cm
Hersteller Siemens & Halske Aktiengesellschaft
Standort Sonderausstellung, 2. OG, Industriemuseum Elmshorn