Objekt des Monats März 2013

Eierbecher

Die Bauernregel besagt: „Wenn’s um Neujahr Regen gibt, oft um Ostern Schnee noch stiebt“. Ostern naht und der Winter hat sich noch nicht verabschiedet. Entscheidend für den Ostertermin sind der Frühlingsanfang sowie der darauffolgende Vollmond. Ostern wird dann am ersten Sonntag nach Vollmond gefeiert. Mit der Osternachtfeier am Karsamstag erreicht die Karwoche ihren Höhepunkt. Osterkerzen sowie ein im Freien angezündetes Osterfeuer symbolisieren in der christlichen Tradition die Wiederauferstehung Jesus und leiten über zum Fest der Auferstehung, dem Ostersonntag, mit zahlreich regional unterschiedlichen Osterbräuchen über.

Das Objekt des Monats März bildet der Eierbecher „Elmshorn Hafen“. Wie selbstverständlich gehören sie zu unserem Alltag, die kleinen Näpfe für das weichgekochte Frühstücksei. Das Ei ist von alters her das Motiv für das neue Leben. Ebenso bekam das Ei die symbolhafte Bedeutung von Geld und Wohlstand. Wer „viele Eier“ hat, gehört umgangssprachlich zu den reichen Zeitgenossen. Es gehört zum ausführlichen Osterfrühstück in den Familien wie der Brauch des Verzierens oder Eiersuchens an Ostern.

Der Hase steht in der alten Tradition der Ostertiere, der zu Ostern die Eier versteckt. Der Hase hat sich als österlicher Eierlieferant gegen verschiedene andere Tiere durchgesetzt: so überbrachte zum Beispiel in Teilen von Westfalen der Fuchs, in Thüringen der Storch und in Böhmen der Hahn die Eier. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert konnte sich der Hase jedoch endgültig durchsetzen. Deutschsprachige Auswanderer verbreiteten den Kinderglauben an den Osterhasen auch außerhalb Europas. Besonders in den USA konnte der dort als „Easter Bunny“ bezeichnete Fellträger eine gewisse Popularität erreichen.

Zurück zum Eierbecher. Hinter dem heutigen Napf verbirgt sich eine lange kulturgeschichtliche Entwicklung, die bis tief in die Antike zurück reicht. Bereits 40 v. Chr. wird uns die Existenz von Eierbechern durch ein Mosaik überliefert. Nach dem Ausbruch des Vesuvs 79 n. Chr., der die Stadt Pompeji verschüttete, fand man unter der Asche einen silbernen Eierbecher mit entsprechendem Löffel. Erst im 17. Jahrhundert erlangte der Eierbecher an europäischen Höfen wieder verstärkt an Bedeutung. Kostbar gefasst mit Gold und Halbedelsteinen wurden die Silberbecher bei den großen Tafeldekorationen inszeniert.

Die Kunstgeschichte wartet ebenfalls mit zahlreichen Darstellungen über Eierbecher und deren Benutzung auf. Insbesondere in der Stillebenmalerei des 17. Jahrhunderts lassen sich Aussagen über Gebrauch von Eierbechern und die Vorliebe des Verzehrs von Eiern ablesen.

Das im 18. Jahrhundert aufkommende Porzellan erweiterte neben Gold und Silber die Vielfalt an Eierbechern. Allerdings waren diese sehr teuer und nur dem reichen Adel zugänglich. Gerade diese Becher sind für heutige Sammler von besonders hohem Wert. Die erste Manufaktur, die das europäische Porzellan verarbeitete war Meißen, es folgten die Höchster und Frankenthaler Porzellanmanufakturen. Erst später nahmen Villeroy & Boch, sowie KPM die Produktion von Eierbechern auf.

Eierbecher als Souvenirgegenstand mit Aufdruck von Symbol und Namen einer Stadt, eines Landes oder auch diverser Hotels erlangten Anfang des 20. Jahrhunderts große Beliebtheit unter Reisenden.

Das Elmshorner Hafenmotiv wurde auf den Eierbecher aus Porzellan im Kupferumdruckverfahren aufgetragen. Der Blick wandert auf das schmale Hafenbecken der Krückau. Rechts und links am Kai liegen kleinere Segelfrachtschiffe. Markante Gebäude wie das erste Gebäude der Schlütermühle am Südufer oder das Kontorhaus am Nordufer des Händlers Inselmann. Im Hintergrund die Wohn- und Geschäftsgebäude der aufstrebenden Industriestadt. Das Hafenmotiv beansprucht über die Hälfte des Bechers und wurde per Hand fein koloriert. Am Fuß und am oberen Rand des Bechers ist ein Goldrand gezogen.

Der Eierbecher gehört zur Sammlung von Ausstellungsstücken rund um das Thema Hafen und Schifffahrt. Das Industriemuseum Elmshorn sucht noch Gegenstände für die Sonderausstellung „Hafen und Stadt“, die ab dem 8. Juni 2013 gezeigt wird.

Inventarnummer 2012/0133
Datierung um 1920
Material Porzellan mit Goldrand
Länge 6,1 cm, Durchmesser: 4,1 cm
Hersteller unbekannt