Objekt des Monats Juni 2014

Ein Zeitzeugnis der speziellen Art

Sehen oder nicht Sehen. Das ist derzeit die Frage. Die Fußball Weltmeisterschaft ist in vollem Gange und wird weltweit mittels hochmodernen Fernsehgeräten von Millionen Zuschauern verfolgt und Deutschland steht im Achtelfinale.

Das Objekt des Monats Juni, das Fernsehgerät von Philips, zählt zur ersten Generation von Apparaten, die das Fernsehen standardmäßig in die Wohnzimmer brachte und befindet sich seit zehn Jahren in der Sammlung des Industriemuseums Elmshorn.

Der Philips „Raffel S“ zeigt, dass sich in den vergangenen 60 Jahren die Fernsehgeräte stark veränderten – in technischer aber auch in ästhetischer Hinsicht. Allein die Größe: Füllen heute moderne TV-Bildschirme bereits ganze Wandflächen des Wohnzimmers aus, ist der Fernseher von damals in seiner Größe mit unter 50 cm eher als Tischgerät geeignet. Oftmals fand man ihn auch kombiniert in einer Fernseh-Musiktruhe vor. Den Anforderungen des Public Viewing wird damit wohl nicht genüge getan. Auch ist die heutige Bildqualität eines hochauflösenden digitalen Fernsehers der eines Röhrenfernsehers der ersten Generation um Längen voraus.

Schlicht und elegant steht der Fernseher inzwischen im Museumsmagazin und wartet auf eine Sonderausstellung. Der tägliche Gebrauch über viele Jahre ist dem Gerät anzusehen. Leicht verkratzt, in klassischem 50er Jahre Gewand präsentiert sich der Apparat in seinem dunklen Holzkorpus mit abgerundeten Ecken. Im vorderen Bereich wird das Holz durch einen dezent umlaufenden Goldstrich sowie ein schwarzes Band unterbrochen. Das helle Holzfurnier in der Frontansicht umrahmt die Bildschirmfläche. Der eigentliche Monitor wird von einer zweiten Scheibe geschützt. In heute ungewohnter Weise prangert an zentraler Stelle unter der Scheibe in verbundenen Holzlettern der Schriftzug des Herstellers. Kaum erkennbar darunter befinden sich vier quadratisch-dunkle Drucktasten und sechs Rädchen für die Feinjustierung. Die Funktionen der Knöpfe: EIN – KLAR – FERN – UHF. Ein letztes Bedienteil, der ca. 9 cm große Drehwahlschalter aus Bakelit an der rechten Seitenfläche, dient zur Einstellung des Bildes. Eine Fernbedienung gibt es nicht.

Vermutlich ist der kleine Lautsprecher über dem Drehwahlschalter den Anforderungen heutiger Fußballfans nicht mehr gewachsen, so dass auch hier die moderne Technik das Public Viewing erheblich attraktiver gestaltet. Übrigens, das „S“ hinter dem Modellname Raffael steht für Spezial und der Kaufpreis vor 60 Jahren betrug 786,- DM.

Fernsehen wird zum Massenmedium

Die Geschichte des Fernsehens beginnt Anfang der 1920er Jahre in Leipzig. 1928 wird auf der Funkausstellung in Berlin das Fernsehen offiziell vorgestellt. Nun gilt es die Technik weiter zu entwickeln, um eine schnellere Bildabfolge zu erreichen. Am 22. März 1935 wird in Deutschland das erste regelmäßige Fernsehprogramm der Welt ausgestrahlt.

Die Fernsehgeschichte der Bundesrepublik Deutschland startet im Dachgeschoss eines Hamburger Bunkers. Die britische Militärregierung, die bis 1955 die Rundfunkhoheit in ihrer Besatzungszone besitzt, genehmigt 1948 dem finanziell gut ausgestatteten Nordwestdeutschen Rundfunks (NWDR) den Fernseh-Versuchsbetrieb für wenige Stunden am Tag aufzunehmen. Dies ist der Grundstein für das Nachkriegsfernsehen und Hamburg wird zum Zentrum der Fernsehmacher in der BRD.

In einem Schreiben von Philips an das Tornescher Radio- und Fernsehfachgeschäft Dörr aus dem Jahre 1952 schildert Philips, dass die Einführungsaktion des Fernsehens mit den Olympia-Sondersendungen erfolgreich verlief. Weiter schreibt Philips: „Es ist nun die vornehmste Aufgabe des Senders, des Handels und der Industrie, die sehr positive Einstellung des Konsumenten geschickt zu verwerten, damit wir in Kürze erreichen, was letzten Endes das Ziel unserer Mühen und Anstrengungen ist: Einführung des Fernsehens in Deutschland“. Der 25. Dezember 1952 wird in dem Schreiben als der „sehnlichst erwartete“ Tag anvisiert, an dem das tägliche Programm ausgestrahlt wird und das Fernsehen offiziell eröffnet ist.

Die Kugel rollt

Zur Fußballweltmeisterschaft 1954 erreicht das Fernsehen dann einen ersten Höhepunkt. Mit dem Endspiel, dem Sieg der deutschen Mannschaft gegen die ungarische Mannschaft – dem sogenannten Wunder von Bern – waren bereits 41.000 Geräte in der Bundesrepublik Deutschland registriert. Zu Beginn der WM waren es noch 28.000 Geräte.

Heute braucht man nicht mehr zwangsweise zu Hause zu sitzen, um Fern zu schauen. Die Technik macht es möglich, dass man via Smartphone oder DVB-T das „Überallfernsehen“ auch unkompliziert unterwegs konsumieren kann.

Inventarnummer 2004-0341
Datierung 1954
Material Holz, Glas, Messing, Kunststoff
Maße: B 49 cm, Höhe: 40cm, Tiefe: 42 cm
Hersteller Philips „Raffael S“
Standort Industriemuseum Elmshorn/Depot