Objekt des Monats Juni 2013

Kindernähmaschine „CASIGE“

Neu zum Fundus des Elmshorner Industriemuseums zählt die hellblaue Kindernähmaschine der Firma CASIGE. Hinter der Modellbezeichnung verbirgt sich die Abkürzung des Herstellers. 1902 begann der Klavier- und Möbelschlossfabrikant CArl SIeper aus GEvelsberg in Westfalen mit der Produktion von einfachen und günstigen Kindernähmaschinen.

Bis 1830 erfolgte das Nähen noch von Hand – mit der einsetzenden Industrialisierung entstand auch der Erfindergeist für die Mechanisierung des Nähens. Im Jahre 1830 meldete der Franzose Thimmonnier das erste Patent zu einer Nähmaschine an. Der Stein geriet ins Rollen – in Amerika und Westeuropa machten sich Mechaniker und geschäftstüchtige Hersteller daran, die Nähmaschine marktfähig zu gestalten. 1858 gelang Isaac Merrit Singer mit der „Singer 1“ der Durchbruch. Mit dem Einsatz der Nähmaschine kam es durch den beschleunigten Nähprozess zu einer wesentlich höheren Arbeitsproduktivität. Bereits die Nähmaschine von Elias Howe – er gilt als Vater der Nähmaschine – leistete 300 Stiche pro Minute und übertraf damit in einem Wettbewerb fünf geübte Handnäherinnen. Die Geschwindigkeit stieg in den 1880er Jahren auf 3500 Stiche pro Minute.

Für Frauen des Kleinbürgertums war die Nähmaschine attraktiv, da sie nicht nur den eigenen Bedarf an Wäsche und Kleidung schneller herstellen konnten, sondern durch Heimarbeit auch zur Aufbesserung des Familienbudgets beitragen konnten. Diese Form des „Dazuverdienens“ wurde als standesgemäß akzeptiert. Alleinstehenden Frauen dieses Milieus bedeutete die Heimarbeit an der Nähmaschine – neben der Anstellung als Gesellschafterin – eine der wenigen Möglichkeiten, um ihren Lebensunterhalt zu sichern.

Ab 1870 kamen die ersten Kindernähmaschinen auf den Markt. Diesen teilten sich inzwischen mehrere Hersteller. Die Maschinen waren qualitativ sehr hochwertig und für die Ewigkeit gebaut. 1888 brachte der Berliner „Fabrikant für Nähmaschinentheile“ F.W. Müller seine erste patentierte Kindernähmaschine – eine billig hergestellte Blechmaschine – auf den Markt. Bis etwa 1975/77 beherrschten Müller und Carl Sieper den Markt mit einer großen Produktpalette einfacher Maschinen. Sieper musste seine Produktion Mitte der 1970er Jahre einstellen.

1950 veränderte Sieper seine Maschinen maßgeblich. Neben einer neuen rechteckigen Grundform bot Sieper technische Änderungen, wie z.B. der elektrische Antrieb oder Nählicht an. Die Maschinen glichen immer stärker den „Großen Nähmaschinen“ in Form, Farbe und Technik. Prägend bleibt das Logo von Casige. Ein Adler mit Schlüssel in den Krallen.

Die Kindernähmaschine aus der Museumssammlung lässt sich auf die frühen 1960er Jahren datieren und ist von einer einfachen Ausführung. Die beigefügte Anleitung gibt in Bildern Auskunft über das manuelle Bedienen der Maschine.

Bis ins Ende des 20. Jahrhundert nahm die geschlechterspezifische Erziehung eine große Bedeutung ein, die traditionelle festgelegte Rollenbilder vermittelte. Gesellschaftliche Ansprüche an das Rollenverhalten von Mädchen und jungen prägten das Spiel des Kindes. Die zugedachte Rolle für das Mädchen war in erster Linie die Hausfrau und Mutter. Für den Jungen dagegen der Familienernährer auf der Basis unterschiedlicher Berufe. Entsprechend wurden Mädchen und Jungen mit geschlechtsspezifischem Spielzeug bedacht.

Die Spielzeugfabrikation orientiert sich an der Nachfrage und am jeweiligen Stand der Technik dessen, was in Miniatur nachgeahmt werden soll. Werden technische Geräte für den Haushalt entwickelt, so stehen diese bald zum Spielen im Kinderzimmer bereit. Die alten Techniken der Handarbeit wie Nähen mit Nadel und Faden, Stricken und Sticken erlernten Mädchen schon recht früh. Als zur Erleichterung der Näharbeiten konstruiert wurde, folgten bald kleine Kindernähmaschinen für Mädchen. Die Fertigung von Puppenkleidern war das Ziel.

Inventarnummer 2013 00 44
Datierung um 1960
Material Blech, Holz, Kunststoff
Länge 20 x 10,5 x 16,5 cm
Hersteller Casige
Standort Industriemuseum Elmshorn, Erdgeschoss