Objekt des Monats Dezember 2012

Wundertrommel

Die Vorweihnachtszeit ist nicht nur erfüllt von kindlicher Vorfreude und christlicher Besinnlichkeit, sondern auch Hochzeit der bewegten Bilder in Form von Kino- und Fernsehfilmen. Wie jedes Jahr vor Weihnachten so locken auch 2012 die Kinos, ob mit der lang ersehnten Verfilmung eines Fantasy-Klassikers oder den neuesten Animationsfilmen, Groß und Klein in die Vorführsäle. Das Fernsehen hält dagegen mit „Blockbustern“ und tschechischen Kult-Märchenfilmen. Bei sinkenden Temperaturen und wenig Sonnenlicht verkürzen uns also Filme, aber auch Bücher die Wartezeit bis es Weihnachten ist.

Das die Freude an den bewegten Bildern nicht erst ein Phänomen unserer Zeit ist, belegt das Objekt des Monats Dezember. Ein großer runder Pappkarton mit senkrechten umlaufenden Schlitzen, edel bezogen mit schwarzem geprägten Papier. Auf dem Deckel die Zeichnung eines blonden Mädchens mit einem kleinem Jungen auf den Schultern – darunter die Aufschrift „Lebensrad“. Im Innern des Kartons befinden sich 12 doppelseitig, farbig bedruckte Bildstreifen. Bei der aufwendigen Kartonage handelt es sich um ein sogenannte Zoetrop, oder auch Lebensrad oder Wundertrommel, ein einfaches optisches Gerät mit dem rein mechanisch die Illusion von bewegten Bildern erzeugt werden kann.

Dazu wird einer der Bildstreifen an die Innenseite des geöffneten, zylindrischen Kartons gelegt. Der Zylinder wird nun in eine Drehbewegung versetzt und der Betrachter schaut von einem festen Standpunkt aus durch die Schlitze auf den Bildstreifen. Der Bewegungseindruck entsteht nun dadurch, dass der Wechsel zwischen Schlitz und Einzelbild des Streifens dem Auge jeweils ein neues Bild anstelle des alten präsentiert, was im Gehirn als Bewegung desselben Bildes interpretiert wird.

Erfunden wurde das Gerät 1833/34 vom dem englischen Mathematiker William Georg Horner, der ihm den Namen Daedaleum gab. Die Stunde der Wundertrommel schlug aber erst in den 1860er Jahren, als amerikanische und englische Hersteller sich das Prinzip patentieren ließen. Der amerikanische Erfinder William F. Lincoln nannte seine Version des Daedalum „Zoetrop“. Ein Wortschöpfung aus dem altgriechischen die mit Lebensrad übersetzt werden kann.

Die Wundertrommel zählt mit weiteren optischen Geräten, die nach dem selben Prinzip funktionieren, zu den Vorläufern der Kinematographie. Denn auch ein Kinofilm besteht aus vielen einzelnen Bildern auf einem Streifen, die mit Hilfe der Vorführmaschine letztlich die Illusion von Bewegung hervorrufen.

Ende des 19. Jahrhunderts steckt die Kinematographie noch in den Kinderschuhen. 1895 soll in Berlin ein 15 minütiger Stummfilm von den Brüdern Skladanowsky vorgeführt worden sein – dies wäre die frühste bekannte Filmvorführung in Europa. Umso größer war der Reiz von optischen Spielzeugen, wie der Wundertrommel, deren Bildstreifen nicht nur aus Zeichnungen, sondern auch aus Fotografien zusammengesetzt werden konnten. Man kann also davon ausgehen, dass eine Wundertrommel unter dem Weihnachtsbaum ein beliebtes Geschenk für Kinder und Erwachsene war.

Inventarnummer 2012-0096
Datierung Ende des 19. Jahrhunderts
Material Pappe und Papier
Maße 27,6 cm Durchmesser, 19,2 cm Höhe
Hersteller Luxus-Papier-Fabrik, Berlin