1993-0312-0039 - Kleinbild-Faltkamera Kodak Retina

Sachgruppe visuelle Medien und Zubehör
Material Aluminium, Stahlblech, Glas
Hersteller Koadk Eastman Companie / Dr. August Nagel Kamerawerke
Herstellungsort Stuttgart
Datierung 1936-1937
Maße Breite: 12cm, Höhe: 8cm, Tiefe: 3,7cm

Kleinbild-Faltkamera mit Balgen und Durchsichtssucher von Kodak für 35 mm Rollfilm. Das solide Gehäuse aus Aluminium und Stahlblech ist mit schwarzem Leder bespannt und zum Teil schwarz lackiert. Auf der Oberseite befinden sich zwei Drehränder zur Beförderung und zum Zurückdrehen des Films. Neben dem Drehrad zur Filmbeförderung ist eine kleine Scheibe, die den Filmstand anzeigt. Um das Objektiv herum (Linse: Kodak-Anastigmat Ektar f:3,5 F=5cm No 1702307) sind mehrere Einstellringe für Blende, Entfernung und Verschlusszeit. 

Retina war der Name einer lang produzierten Serie von in Deutschland gebauten Kleinbildkameras von Kodak. Sie wurden im Kamerawerk von Dr. August Nagel in Stuttgart hergestellt, das Kodak 1931 erworben hatte. 
Anfang der 1930er Jahre fand die von Oskar Barnack entwickelte Kleinbildkamera, die Leica Camera, immer größeren Anklang. Aufgrund ihres hohen Preises war die Kleinbildfotografie deshalb 1933 noch die Domäne von finanzkräftigen Amateurfotografen und Fachfotografen. August Nagel fasste den ehrgeizigen Plan eine Kleinbildkamera für eine breite Käuferschicht zu entwickeln, die technisch möglichst hochwertig und solide gebaut, dabei aber einfach in der Handhabung und preiswert sein sollte. Durch die gewonnene finanzielle Kraft und den schlagkräftigen Vertrieb der Kodak AG konnte dieser Plan mit der Entwicklung der Kodak Retina umgesetzt werden. 
Die Kodak Retina Serie war bekannt für ihre kompakte Größe, die Qualität und den geringen Preis im Vergleich zu ihren Wettbewerbern. Die Serie wurde bis 1969 mit einer Vielzahl von Klappkameras und Modellen mit festen Objektiven fortgesetzt.

Die Eastman Kodak Company ging 1892 aus dem Großunternehmen Eastman Dry Platy Company hervor. Beide wurden von dem Erfinder George Eastman und dem Geschäftsmann Henry Strong gegründet. Kodak ist ein von Georg Eastman erfundener Phantasiename, der kurz und prägnant sein sollte. Der Name sollte in allen Sprachen der Welt aussprechbar sein und keine negativen Bedeutungen enthalten. Der wichtigste und bekannteste Werbeslogan war „You press the button – we do the rest“ („Sie drücken auf den Knopf, wir erledigen den Rest“). Dies bezog sich auf die einfachen Boxkameras von Kodak, die komplett mit belichtetem Film bei Kodak eingesandt werden konnten. Kodak schickte dann die Kamera und die entwickelten Fotos zurück. Kodak hatte damit einen wichtigen Beitrag zur Popularisierung der Fotografie geleistet.

Neben Rollfilmen stellte Kodak ab 1888 industriell gefertigte Fotoapparate her, darunter einige der bekanntesten Fotokameras wie die Kodak Nr.1, die Brownie sowie später die Instamatic. Die von Kodak 1935 eingeführten Farbdiafilme der Kodachrome-Serie setzten über Jahrzehnte den Qualitätsstandard; sie wurden zunächst als 8-mm-Schmalfilm, ab 1936 auch als 35-mm-Kleinbildfilm konfektioniert. In den 1930er Jahren kam es dann zwischen AGFA und Kodak zu einem Wettbewerb bei der Einführung der ersten marktauglichen Farbnegativ-Filme.

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