Das besondere Objekt April 2025
Weiterverwendbar und wärmend: Gestopfte Kniestrümpfe
Autorin: Charlotte Wieting
Flicken statt entsorgen
Wenn man heutzutage Löcher in den Socken hat, werden diese einfach entsorgt und neugekauft. Das war aber nicht immer üblich, früher wurde Kleidung viel länger getragen und immer wieder repariert um die Lebenszeit der Textilien zu verlängern. Auch die reicheren Leute haben kleinere Schäden an ihrer Kleidung geflickt bzw. flicken lassen. Der Hauptgrund dafür war, dass Stoff und Garn kostbare Materialien waren und gar nicht so viel davon zur Verfügung stand wie das heute der Fall ist. Es war also nicht nur etwas für Menschen mit sehr wenig Geld.
Handwerkskunst statt Massenproduktion
Kleidungsgeschäfte in denen bereits fertige Klamotten angeboten werden wie wir sie heute ganz normal finden, gehörten früher nicht zur Normalität. Stattdessen gab es Schneidereien die Kleidung individuell für die Kunden herstellten und anpassten. Es wurde aber auch Kleidung selbst hergestellt, vor allem in Familien, die eher wenig Geld zur Verfügung hatten und sich maßgeschneiderte Kleidung gar nicht leisten konnten.
Kniestrümpfe aus dem Zweiten Weltkrieg
Beim ausgestellten Objekt handelt es sich um ein paar gestrickter Kniestrümpfe aus Wolle in der Farbe braun. Die Kniestrümpfe wurden laut der Spenderin während des Zweiten Weltkriegs selbst gestrickt. Man kann erkennen, dass sie danach mehrere Male gestopft wurden. Stopfen ist ein anderes Wort für flicken und beschreibt das Ausfüllen von Löchern in Kleidungsstücken wie Socken oder Strumpfhosen mit zusätzlichem Garn.
Während des Kriegs und auch in der Nachkriegszeit war es üblich Kleidung selbst herzustellen und sie zu reparieren. Das lag zum einen an mangelnden Rohstoffen aber auch daran, dass die meisten Straßen und Schienen zerstört wurden und somit auch der Lieferverkehr massiv eingeschränkt war.
Günstige Massenproduktion statt Reparatur
Heute ist es nicht mehr üblich Löcher zu stopfen, was vor allem daran liegt, dass es sich in vielen Fällen nicht lohnt. Ein 6er Pack Socken kostet oft nur um die 10 Euro, im Vergleich dazu lohnen sich Aufwand und Kosten der Reparatur oft nicht. Außerdem ist ein Großteil der modernen Kleidung nicht unbedingt dafür geeignet repariert zu werden, denn es liegt im Interesse der Industrie immer mehr zu verkaufen.
Kleidung herstellen oft nur noch ein Hobby
Dazu kommt noch, dass viele gar nicht mehr wissen wie man Kleidung eigentlich repariert. Während das früher noch häufig in der Schule gelehrt wurde ist es heute im Unterricht nicht zu finden und auch zu Hause wird Handarbeiten bei vielen Familien als weniger wichtig erachtet und deshalb auch nicht weitergegeben.
Eine interessante Veränderung ist, dass Handarbeiten und das Reparieren von Textilien heutzutage keine Notwendigkeit mehr darstellt. Somit wird es eher als Hobby betrachtet, früher aber war es für viele ein wichtiger Bestandteil des Alltags.
Gestopfte Kniestrümpfe im Industriemuseum
Die braunen Kniestrümpfe aus Wolle sind in einer Vitrine im Erdgeschoss des Industriemuseums ausgestellt, und können während der Öffnungszeiten betrachtet werden.