Das besondere Objekt Juli 2025

Abendgruß seit Generationen - das Sandmännchen als Kultfigur

Autorin: Charlotte Ivy Wieting


Mit jeder neuen Generation kommen neue Kinderserien und was die Kinder gucken, kennen die Eltern meist nicht von früher. Doch einige Serien bestehen den Test der Zeit und behalten auch über die erste Zielgruppe hinaus ihre Relevanz. Ein Beispiel dafür ist das Sandmännchen.

Erstmalig im ostdeutschen Fernsehen unterwegs

Seine Anfänge hat das Sandmännchen wie wir es heute kennen in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR), wo die Serie am 22. November 1959 das erste Mal ausgestrahlt wurde. Seitdem gab es nur wenige Abende ohne Sandmännchen und die Sendung ist für Kinder regelrecht zu einer Art Ritual vor dem Schlafen gehen geworden. Gleichzeitig gab es bis 1989 auch ein West-Sandmännchen, produziert vom Sender Freies Berlin (SFB), später vom Norddeutschen Rundfunk (NDR). Seit der Wiedervereinigung wird „Unser Sandmännchen“ bis heute im Auftrag der ARD vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) für den Mitteldeutschen Rundfunk (mdr) und für den NDR weiter produziert.

"West-Sandmännchen" weniger populär 

Die Produktion war zu Anfang ein regelrechtes Wettrennen. Es gab Gerüchte, dass im Westen eine Sandmännchen Serie geplant war, woraufhin in der DDR an der Ausarbeitung einer ähnlichen Serie gearbeitet wurde. Das Ziel, mit der Serie vor dem Sender im Westen fertig zu sein gelang, und mit der ersten Ausstrahlung von „Unser Sandmännchen“ war das Ost-Sandmännchen als erstes im Fernsehen zu sehen. Über die Jahre schien das West-Sandmännchen mehr Schwierigkeiten zu haben, nicht an Relevanz zu verlieren und wurde kurzzeitig abgesetzt, da die kostbare Sendezeit zwischen 18 und 20 Uhr für mehr Werbung genutzt werden sollte. Nach Protesten kam die Serie kurz zurück bevor es 1989 ganz zu Ende war.

Die Gestalt des Sandmanns hat lange Tradition

Die Figur der Serie basiert auf dem Märchen vom Sandmann. Ohne es zu wissen, hatte Hans Christian Andersen bereits lange Zeit vor der Erfindung des Sandmännchens den Grundstein für die heutige Kult-Figur gelegt. Der Sandmann besucht abends Kinder vor dem Schlafen gehen. In einigen übersetzten Versionen streut er Sand, im Original spritzt er süße Milch in die Augen der Kinder, damit sie ihn nicht sehen. Während die Kinder dann langsam müde werden erzählt der Sandmann ihnen Geschichten. Im Märchen von Andersen heißt es „Es gibt niemand in der ganzen Welt, der so viele Geschichten weiß, als der Sandmann!“
Nachdem die Kinder eingeschlafen sind, spannt der Sandmann einen Regenschirm über ihnen auf. Für die artigen Kinder einen mit Bildern, damit sie schöne Träume haben und für die unartigen einen ohne etwas darauf, sodass sie gar nichts träumen. Im Gegensatz zum literarischen Vorbild bringt das Fernsehsandmännchen allen Kindern schöne Träume.

Wechselnde Garderoben des Sandmännchens

Heute kennen wir das Sandmännchen hauptsächlich im typischen roten Gewand mit gleichfarbiger Mütze aber es war über die Jahre schon in den verschiedensten Farben gekleidet, unter anderem in verschiedensten blau und Türkistönen. Andersen schreibt über die Kleidung vom Sandmann, dass es unmöglich sei eine Farbe zu erkennen, „denn er glänzt grün, rot und blau, je nachdem er sich wendet.“

Elmshorner Sandmännchen ein Geschenk

Bei dem Objekt handelt es sich um eine Puppe vom Ost-Sandmännchen, die einer Elmshornerin von ihrer Familie aus Ostdeutschland geschenkt wurde. Es hat einen weißen Bart, weiße Haare sowie schwarze Punkte als Augen und eine Stupsnase. Es trägt eine dunkelblaue Jacke und Mütze, eine graue Cordhose, rote Schuhe und ein rotes Cape. In der Hand hält es einen kleinen Beutel, welcher für den Schlafsand gebraucht wird. Inzwischen kennen wir das Sandmännchen eher in roter Kleidung, dennoch ist es auch im alten Design sowohl für jüngere als auch ältere Generationen unschwer zu erkennen.

Das Sandmännchen weiterhin als Kultfigur beliebt 

Auch heute ist das Sandmännchen eine sehr bekannte Kultfigur und man kann allerlei Merchandise erwerben. Darunter zum Beispiel Puppen, Figuren, Dekoartikel oder auch Geschirr mit Sandmännchen Motiven.
Das Sandmännchen kann im dritten Obergeschoss des Industriemuseums Elmshorn bewundert werden.