Unter den Deckel geschaut - Kochbücher erzählen Geschichte

Beginn:

Datum: 09.09.2007

Ende:

Datum: 25.11.2007

Termin exportieren

sonderausstellung-archiv-11

Was schmort unter Kochtopfdeckeln?

Kochbücher erzählen Geschichte. Die Rezepte sagen zwar nichts über konkrete Nahrungsgewohnheiten aus, aber die Kochbücher geben vielfältigen Eindruck in den jeweiligen Zeitgeschmack. Die frühen Kochbücher waren in erster Linie für die großen Küchen repräsentativer Häuser geschrieben, in denen allerhand Personal dem Leibkoch zur Seite stand. Einige damalige Gaumengenüsse von damals wie Saatkrähenragout, Bärentatzen oder gebratene Fischotter sind so gar nichts mehr für heutige Gourmets.

Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts entsteht eine Vielzahl von Kochbüchern, die sich fast ausschließlich an junge und unerfahrene Ehe- und Hausfrauen richteten.

Henriette Davidis‘ Kochbuchklassiker „Praktisches Kochbuch für die gewöhnliche und feinere Küche“ erschien erstmals 1844, erlebte bis zum Jahre 1963 insgesamt 75 Auflagen und fehlte bald in keinem deutschen Haushalt. Es war jahrzehntelang das typische Hochzeitsgeschenk und prägte Generationen von jungen Frauen. Davidis konzipierte ihr Buch als Leitfaden für die Küche.

In den Kriegs- und Nachkriegsjahren erschienen zahlreiche Kochratgeber, die auf die schlechte Versorgungslage Bezug nahmen. Sie gaben Anleitung vor allem zur Improvisation mit Ersatzstoffen und „gestreckten“ Lebensmitteln.

Kochen zwischen Alltag und Hobby

Erst Ende der 1950er Jahre wandelte sich der Kochbuchmarkt. Internationale Rezepte hielten Einzug, entsprechend dem Zeitgeschmack waren die Kochbücher im plaudernden Tonfall gehalten. Das Bild des passionierten Hobbykochs wurde kreiert, um nun auch das männliche Geschlecht zu besonderen Anlässen an den Herd zu bekommen. In der Regel kochte im Alltag jedoch nach wie vor die Frau.

Seit den 1970er Jahren überschwemmt ein wahrer Kochbuch-Boom den Markt. Vor allem Spezial-Kochbücher für einzelne Nahrungsmittel oder Speisen wie Suppen oder Aufläufe, aber auch bestimmte Zielgruppen wurden anvisiert mit Titeln wie „Kochbuch für den Single“ oder „Köstlichkeiten schnell gezaubert“ mit 220 Rezepten für die „perfekte Gastgeberin“. Eine ästhetisch ansprechende Aufmachung des Kochbuchs mit kunstvollen Lebensmittelfotografien wurde immer wichtiger. Im Zuge der Nostalgiewelle entstand zeitgleich ein Interesse an der regionalen Küche mit „typischen“ und traditionellen Gerichten. Ebenso erschienen seither zahlreiche Reprints oder kommentierte Neuausgaben historischer Kochbücher.

Die Flut der Fernsehköche

Eine besondere Sparte der Kochbücher sind die der Fernsehköche, die derzeit so viel Zuspruch wie noch nie erfahren. Clemens Wilmenrod war einer der Vorreiter der heute täglich mehrfach ausgestrahlten Fernsehkoch-Shows. Hier traten und treten wieder hauptsächlich Männer als Kochexperten auf – weniger für die tägliche Versorgung der Familie, sondern für kulinarische Höhepunkte. In dieser Tradition befinden sich die in lässiger Aufmachung gehaltenen Kochbücher und Fernsehshows der angesagten Kochstars wie Jamie Oliver, Tim Mälzer, Sarah Wiener oder Alfred Biolek.

Leidenschaft: Kochbuchsammeln

Jan Schlüter besitzt zur Zeit der Drucklegung exakt 439 Kochbücher, diese Sammlung ist Basis und Ausgangspunkt der Kochbuchausstellung im Industriemuseum. Sein erstes Kochbuch „Dr. Oetker: Frohe Partys, kleine Feste“ erhielt der spätere Liebhaber verschiedenster Kochliteratur in den 1980er Jahren geschenkt. Der eigentliche Sammlungsbeginn kann auf das Jahr 1992 datiert werden – Jan Schlüter erbte den Kochbuchnachlass seiner Großmutter Amanda Schlüter geb. Hachmann, die als Kochfrau zahlreiche Hausfrauen bei der Vorbereitung und Durchführung privater Feste unterstützte.

Selbstverständlich stöbert Jan Schlüter nicht nur gern in seinen Kochbüchern, sondern kocht auch mit viel Vergnügen. Bei einem geselligen Kochabend wurde die Idee zu dieser Ausstellung geboren. Die eigene Sammlung der bekochten Freundin Monja Hermer erwies sich als ideale Ergänzung zu Jan Schlüters Büchern: Sie sammelt vor allem alte Rezeptbroschüren der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Die zusammengetragene Kochbuchliteratur wird durch zahlreiche persönliche Koch-Geschichten aus Elmshorn gespickt. Die Frauengeschichtswerkstatt widmete sich handgeschriebenen Rezeptsammlungen und speziellen Themen wie Kochen als Beruf, regionaler Küche und Kochen lernen in der Hauswirtschaftsschule.

Diese erlesenen Zutaten ergeben eine fein abgestimmte und delikate Ausstellung!