Sonderausstellung "Auf in die Ferne" - Reisen in den 50er Jahren

Beginn:

Datum: 20.06.2004

Ende:

Datum: 21.11.2004

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Urlaub für alle

„ Die Deutschen werden reisen wie noch nie, wenn sie erst wieder satt zu essen haben“, prophezeite 1949 Carl Degener, der spätere Geschäftsführer der „Touropa“. Von den „Hungerjahren“ der schweren Nachkriegszeit arbeitete sich Deutschland seit den späten 1950er Jahren zum „Reiseweltmeister“ empor. Nicht nur kleine, vermögende Kreise, sondern auch die Masse der Bevölkerung kann sich seitdem erstmals regelmäßig Urlaubsreisen leisten. Ob mit Eisenbahn, Omnibus, Schiff, Auto, Motorrad oder Fahrrad – den Reisen vor 50 Jahren war gemeinsam, dass lange für die allenfalls einmal pro Jahr stattfindende Urlaubsreise gespart wurde.

Italien – Land der deutschen Reisesehnsucht

Die Abschaffung der Visumpflicht in den meisten Urlaubsländern 1954, die Verlängerung der Urlaubszeit, die wachsende Kaufkraft der „Wirtschaftswunderjahre“ und die damit einhergehende Motorisierung führten zu einer Reisewelle, deren Ziele in steigendem Maß im Ausland lagen. Neben der deutschsprachigen Schweiz und Österreich lockte vor allem „Bella Italia“. „Italien war das absolute Muss, wenn man sich was leisten konnte“, eine Urlaubsreise, die zugleich zu Hause das Sozialprestige hob. Dem sonnigen Land am Mittelmeer galten die Urlaubssehnsüchte, aber die tatsächlich besuchten Reiseorte fielen eher bescheiden aus. 1954 fuhren nur 15 % der Urlaubsreisenden ins Ausland, und zwar überwiegend nach Österreich.

Reisebüros bedienen Urlaubsträume

Wohin die Reise gemeinhin ging, zeigt der Prospekt „Elveshörn – Sommerreisen“ aus dem Eröffnungsjahr des „Elmshorner Reise- und Verkehrsbüros“. 1954 konnten die Elmshorner bei dem Firmengründer Hermann Meissner und seiner Frau Hermine in der Königstraße Ferienreisen nach Oberstdorf im Allgäu für 85,- DM, in den Schwarzwald für 90,- DM, eine Rheinfahrt für 55,- DM oder an Lahn, Rhein und Sieg für 45,- DM buchen. In diesen „Kinderjahren“ des Tourismus entstanden zahlreiche Reisebüros, die zum einen vor allem Ferienreisen in Deutschland, in die Schweiz und nach Österreich vermittelten, aber auch selbstorganisierte Tagesausflüge, Fahrten in Hamburger Theater und mehrtägige Gesellschaftsreisen mit dem Omnibus anboten.

Fernweh stillen im Heimatland

Auch 1957 blieben noch zwei Drittel der Reisenden aus Kostengründen in Deutschland. Zu den beliebtesten Reisezielen gehörten die Alpen und Voralpen, der Schwarzwald, die Seebäder an der Nord- und Ostsee, der Teutoburger Wald und der Harz. Die Mehrheit der Urlauber bewegte sich nicht mehr als rund 500 km vom Heimatort fort.

Seither reisten Jahr für Jahr dann immer mehr Deutsche Richtung Süden, bis 1970 meist per Bahn oder Auto nach Italien, danach immer häufiger per Flugzeug nach Spanien. Heute machen mehr Deutsche im Ausland Urlaub als im Inland, und Spanien steht an der Spitze der ausländischen Urlaubsziele.

Urlaubszeugen im deutschen Wohnzimmer

Mit dem Tourismus verbreiteten sich massenhaft Postkarten und Souvenirs aus den Reiseorten. Viele Urlauber knipsten ihre schönsten Tage des Jahres und legten liebevoll gestaltete Fotoalben an oder luden ihre Bekannten und Verwandten stolz zu Diavorträgen ein. Lassen Sie im Museum die „schönsten Tage des Jahres“ Revue passieren!

Das Industriemuseum Elmshorn zeigt mit der Sonderausstellung „Auf in die Ferne“ die Entwicklung des Urlaubs von der luxuriösen Bildungsreise bis zur selbstverständlich gewordenen Verschnaufpause vom Arbeitsalltag. Die Ausstellung stellt wichtige Etappen der Tourismusgeschichte dar: von der mittelalterlichen Pilgerfahrt über das Reisen als Privileg wohlhabender Schichten des 19. Jahrhunderts hin zur Erfindung des Urlaubs, wie wir ihn heute kennen. Der Schwerpunkt liegt auf den 1950er Jahren, die Zeit, die nach den „schlechten Jahren“ für viele Deutsche erstmals die Erfüllung ihrer Fernwehträume möglich machte. Fotos, Dokumente, Souvenirs, ein Reisebüro, ein Motorrad mit Beiwagen, Campingartikel und andere Gegenstände lassen die Reisesehnsucht der 50er Jahre wieder aufleben. Einen Einblick in persönliche Erinnerungen an erste Campingtouren, Klassenfahrten oder Traumreisen bieten Reiseberichte und Fotoalben von Elmshorner Bürgerinnen und Bürgern.