Schreiben - Von der Klosterurkunde zum Chat
Datum: 24.05.2016
Datum: 27.11.2016
Eine Sonderausstellung im Jubiläumsjahr 2016: 25 Jahre Industriemuseum Elmshorn – 20 Jahre Frauengeschichtswerkstatt.
Ein Kulturgut mit Verfallsdatum?
Urlaubsgrüße und Geschäftspost per Mail versenden, chatten statt Briefchen schreiben, Notizen und Einkaufszettel per App anlegen: Angesichts von Computer und Smartphone scheinen Stift und Papier keine Zukunft zu haben. Grundschulen diskutieren die Abschaffung der Schreibschrift. Das Schreiben von Hand – ein Kulturgut mit Verfallsdatum?
Die Sonderausstellung im Jubiläumsjahr wirft einen Blick auf die wechselvolle Geschichte des Schreibens von der Klosterurkunde bis zum Chat. Zugleich wird die 875-jährige Geschichte der Stadt Elmshorn aus der Sicht ihrer Bewohner und Bewohnerinnen lebendig.
Schreiben mit der Hand
In der Ausstellung steht die Geschichte der Handschrift im Mittelpunkt. Mittelalterliche Urkunden, Briefe und Poesiealben in geschwungenen Kurrentschriften bis hin zu Schulheften zeigen den steten Wandel von Schreibgeräten und Schriften. Schreibende Mönche, Federkiele und Pergamentrollen prägten diese Entwicklungen ebenso wie Schulkinder mit Griffel und Schiefertafel, Tintenfüller und Schönschreibheft. Ob privat oder geschäftlich, Tagebuch oder Rechtsdokument – wer etwas niederschrieb, tat dies Jahrhunderte lang mit der Hand.
Vom Schreiben zum Tippen
Die Ausstellung zeigt auch die Folgen von Buchdruck, Schreibmaschine und Computer für die Geschichte des Schreibens. Der Buchdruck löste im 15. Jahrhundert eine Revolution des Schriftgebrauchs aus: Erstmals ließen sich Texte mechanisch erzeugen, entwickelte sich eine gedruckte Schrift. Besonders einschneidend war rund 400 Jahre später auch die Erfindung der Schreibmaschine. Das Tippen auf der Maschine löste das Schreiben per Hand zusehends ab. Ihren Höhepunkt erreichte die Schreibmaschinenkultur in den 1980er Jahren – dann verdrängte sie die neue Erfindung des Computers. Immer neue Technologien treiben seitdem eine digitale Schriftlichkeit voran.
Geheime Zeichen?
Chinesische Schriftzeichen, das kyrillische Alphabet, stenografische Kürzel, per Morse-Code übertragene Nachrichten – Unkundigen erscheinen sie als geheime Zeichen. Die Ausstellung wirft auch einen Blick auf Schriften als Zeichensysteme, die entschlüsselt werden müssen. Was bedeutet es, eine Schrift nicht deuten zu können? Ein Exkurs zeigt zudem das Schreiben mit der Nadel – sei es gestickt auf Stoff oder tätowierend auf der Haut.
Verlängerte Laufzeit: Die Ausstellung war vom 24. Mai bis 27. November in Elmshorn im Industriemuseum zu sehen. Sie wurde von einem vielseitigen Veranstaltungsprogramm begleitet.