Fahrt ins Blaue - der Sonntagsausflug
Datum: 28.02.2010
Datum: 06.06.2010
Der Weg in die heute gewohnte Freizeitgesellschaft war lang, erst die Einführung des 8-Stundentages sowie der Schutz des Sonntags und der Feiertage brachte ab 1919 auch Arbeiterinnen und Arbeitern etwas „Freizeit“. Für Ausflüge, aber auch für den Besuch der Kirche, bei Verwandten oder von Vereinen und Verbänden standen vor allem die Sonn- und Feiertage zur Verfügung.
Der Begriff Ausflug bezeichnet eine Fahrt, Wanderung oder einen Spaziergang, der häufig spontan als „Fahrt ins Blaue“ oder als Landpartie unternommen wird. Er verspricht die Flucht aus dem Alltag, ein Entkommen aus der Enge der Städte und die Erholung in der Natur. Als Sonntagsritual der Familie steht der Ausflug bzw. Spaziergang in Sonntagskleidung an erster Stelle bei biografischen Erinnerungen. „Schon als kleines Mädchen wusste ich sehr genau zu unterscheiden, ob es ein aufregender oder langweiliger Sonntag werden würde. Wenn die Erwachsenen einen Spaziergang vorschlugen, gehörte er in die Kategorie ‚langweilig‘… Ein aufregender Sonntag aber sollte es werden, wenn der Ausflug mit dem Auto in die Umgebung oder – besser noch – an den Strand gemacht wurde.“
Beliebte Ausflugsziele
Für die große Mehrheit der Familien bedeutete ein Ausflug meist einen Fußmarsch. Die Ziele lagen daher in der unmittelbaren Umgebung des Wohnortes. Neben dem Naturerlebnis und der Besichtigung von Sehenswürdigkeiten stand die Einkehr in einem der zahlreichen Ausflugslokale ganz oben auf der Wunschliste. Die Elmshorner spazierten in den Parkanlagen am Probstenfeld und entlang der Chausseen. Beliebt war auch der Besuch der oberen Krückau,
die zu einer Ruder-partie oder zum Baden einlud. In Fußnähe war Sibirien mit dem gleichnamigen Ausflugslokal gut besucht, ebenso wie der Wald in Lieth, der in ein „hochwertiges, höchst anziehendes Ausflugsziel“ mit Teichanlage, Kinderplanschbecken, Aussichtspunkt und Rosengarten verwandelt worden war. Mit der zunehmenden Mobilität größerer Bevölkerungsgruppen nahm die Bedeutung der Ausflugsziele rund um Elmshorn zu. Ob nun zu Fuß, mit dem Fahrrad, per Autobus, PKW, Zug oder Boot – beliebte Ausflugsziele waren die Nachbarorte Barmstedt und Uetersen, Elborte wie Wedel und Kollmar, sowie Sehenswertes in Hamburg.
Ausflug mit Picknick
Picknick bei Kollmar auf dem Deich um 1930 mit der Familie. Oft ist ein Ausflug mit einem Picknick verbunden. Das Rasten und Verzehren selbst mitgebrachter Speisen unter freiem Himmel schwankt zwischen Notwendigkeit – bedingt durch das Fehlen entsprechender Gaststätten oder finanzieller Mittel – und purem Sommervergnügen. Besonders populär wurde das Picknick in England, da Queen Victoria häufig im Freien speiste.
Der klassische Picknickkorb, der sowohl das Essen als auch eine Decke, Geschirr und Besteck enthält, kam im 19. Jahrhundert in Großbritannien auf. Hier gehörte zum Picknick in jedem Fall auch die Teezubereitung, so dass vor der Erfindung der Thermoskanne oft ein tragbares Kochgerät mitgenommen wurde. Das Picknick ist bis heute auch bei den oberen Schichten beliebt und kann den Rang eines gesellschaftlichen Ereignisses haben.
Die Sammlung Fahrenkrug
Geschätzte 300 Picknickkörbe und Picknickkoffer – dies ist das Ergebnis der seit Jahrzehnten andauernden Sammelleidenschaft des Quickborner Mediziners Dr. Dr. Fahrenkrug. Seine ersten beiden Stücke erstand er während eines Aufenthaltes in Frankreich. Seitdem hat er nicht nur englische, französische, deutsche, amerikanische und skandinavische Körbe, Koffer, Taschen oder kleine Picknicksets gesammelt, sondern auch alles weitere aus dem Bereich des Freiluftspeisens: über 200 Isolierkannen, diverse Klapptische und -hocker, Klappbesteck mit Etui, verschließbare Gefäße für Salz und Gewürze.
Patente Koffer
Der Sammler begeistert sich sowohl für die edle Minibar mit Cocktail-Shaker in der handlichen Ledertasche, als auch für die praktische Aludose für zwei gekochte Eier mit integriertem Salzstreuer. Seine Stücke decken einen historischen Zeitrahmen von über 150 Jahren ab und reichen vom hochherrschaftlichen Kutschenkoffer aus königlichem Vorbesitz bis zum einfachen Plastik-Etui der 70er Jahre. Es ist vor allem die Faszination an der Ingenieurskunst und Erfindungsgabe, die Fahrenkrug zum Sammeln treibt. Dies betrifft insbesondere auch die „patenten Koffer“, in denen alles auf kleinstem Raum kunstvoll verpackt und gegen Transportschäden gesichert ist. Dabei enthalten die Picknickkörbe alles für das gelungene Picknick, von Geschirr über Salzstreuer bis hin zum Kocher mit Stövchen und Teekanne, zudem meist ansprechend und dem jeweiligen Zeitgeschmack angepasst in Material, Farbe und Form. Übrigens: zum Picknicken geht Fahrenkrug nie, er bevorzugt die weitaus bequemere Bedienung in seinem Lieblings-Restaurant…