Die ungesühnten Morde von "KolaFu"
Datum: 15.05.2004
Datum: 06.06.2004
Eine Ausstellung über Gewalt und Willkür im Konzentrationslager Fuhlsbüttel
Während der Zeit des Nationalsozialismus kamen im Konzentrationslager Fuhlsbüttel zahlreiche Menschen um, wurden misshandelt und traktiert. Die Wanderausstellung „KolaFu“ – ein Ort der Willkür und Gewalt mit über 40 Tafeln, Lesepulten und Videoinstallation dokumentiert umfassend die Geschichte des Lagers und der Strafanstalt und ist vom 15. Mai bis 6. Juni 2004 im Industriemuseum Elmshorn zu sehen.
Der Schrecken von „KolaFu“ wurde auch in Elmshorn spürbar, als vor 70 Jahren in der Krückaustadt eine Verhaftungswelle „wegen Vorbereitung zum Hochverrat“ begann, in der schließlich 290 Personen aus Elmshorn und Umgebung verhaftet und in das Konzentrationslager Fuhlsbüttel transportiert worden sind. Die Wanderausstellung der KZ-Gedenkstätte Neuengamme ist aus diesem Grunde extra für diesen Ausstellungsort um Tafeln zum Thema „Widerstand und Verfolgung in Elmshorn“ erweitert worden.
Insgesamt sind im Nationalsozialismus in dem Konzentrationslager und der Haftanstalt Fuhlsbüttel 450 Menschen ums Leben gekommen. Sie starben an den Folgen von Misshandlung, wurden ermordet oder in den Tod getrieben.
Das Konzentrationslager Fuhlsbüttel entstand im September 1933 nicht auf Betreiben von SA oder SS, sondern als Einrichtung der Hamburger Landesjustizverwaltung und Strafvollzugsbehörde. „KolaFu“ war von Beginn an Folterstätte der Staatspolizei, zunächst als reines Männerkonzentrationslager, ab August 1934 waren hier auch Frauen inhaftiert.
Einer der sechs Themenschwerpunkte der Ausstellung sind die »Verfolgtengruppen«: Neben zahlreichen Repräsentanten des Arbeiterwiderstands zählten hierzu auch christliche, jüdische, nichtdeutsche, homosexuelle, widerständige und unangepasste Bürgerinnen und Bürger. Unter anderem werden die Schicksale des kommunistischen Redakteurs und Schriftstellers Willi Bredel und der Schauspielerinnen Ida Ehre , Hanne Mertens und des Elmshorners Reinhold Jürgensen, der am 20.12.1934 in KolaFu ermordet worden ist, näher beleuchtet.
Dokumentiert werden aber auch Kommandanten und Angehörige der Wachmannschaft des KZ und deren Erfahrungen mit der Hamburger Justiz nach 1945. Kein einziger Wachmann wurde wegen Mordes oder Totschlags verurteilt, obwohl allein in den ersten vier Monaten der Existenz des KZ zehn Gefangene ums Leben kamen. Alle zu Freiheitsstrafen verurteilten Wachmänner wurden in den 1950er Jahren vorzeitig aus der Haft entlassen.
Die Wanderausstellung wurde 2003 zum 70. Jahrestag des KZ Fuhlsbüttel von der KZ Gedenkstätte Neuengamme erstellt und im Hamburger Rathaus präsentiert.
Das Industriemuseum Elmshorn zeigt diese Wanderausstellung der KZ-Gedenkstätte Neuengamme in Kooperation mit dem Antifaschistischen Arbeitskreis Elmshorn, dem Deutschen Gewerkschaftsbund Kreisregion Unterelbe und der Industriegewerkschaft Metall Unterelbe.