"WEIHNACHTSBRÄUCHE WANDERN MIT"

Beginn:

Datum: 02.12.2007

Ende:

Datum: 13.01.2008

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Das Christentum ist eine der größten Religionen der Welt und so erstaunt es nicht, dass Weihnachten auf der ganzen Welt gefeiert wird. Weihnachten ist für viele Christen das größte Jahresfest, und auch Menschen anderer Religionen und Atheisten begegnen inzwischen weltweit Tannenbaum und Weihnachtsmann.

Weihnachtssitten und -gebräuche variieren von Land zu Land und veränderten sich im Laufe der Zeit. Die Sonderausstellung „Weihnachtsbräuche wandern mit“ im Industriemuseum Elmshorn zeigt beispielhaft in verschiedenen Facetten Familientraditionen rund um das Weihnachtsfest früher und heute und welche Bräuche bzw. Rituale Familien aus ihrem Heimatland nach Elmshorn mitgebracht haben.

„Für mich ist Weihnachten, wenn…“ Menschen aus Elmshorn haben diese Frage vielfältig beantwortet und stellen dem Industriemuseum nicht nur ihre Weihnachtsgeschichten, sondern auch Fotografien und Objekte zur Verfügung.

Ob in der Familie weiter gereichter Baumschmuck wie die dickwandigen Glaskugeln aus der Zeit um 1850 oder der 1945 aus Flugzeugmetall selbstgefertigte Tannenbaumfuß mit Haltern in Zwergengestalt oder den gut hundert Jahre alten Pappmaché-Engeln mit inzwischen arg ramponierten Flügeln aus Glasfasern oder die hundert Weihnachtsmänner – alle diese Weihnachtsdinge fehlen in diesem Jahr das erste Mal in der Familientradition, da sie im Museum ausgestellt sind.

Elmshorner Familien beispielsweise aus Eritrea oder Kenia oder der Ukraine konnten dagegen kaum Erinnerungsstücke der Heimat mitnehmen – da ist das Gesangbuch der Oma aus Sibirien, aus der jedes Jahr am Heiligen Abend vorgelesen (aber nie gesungen) wurde, schon etwas ganz Besonderes!

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Die frühesten Erinnerungen stammen von einem 1863 geborenen Elmshorner, für den das größte Fest des Jahres das Weihnachtsfest war. In seiner Familie wurde jedes Jahr ein Myrthenbäumchen mit Kerzen, dickwandigen Glaskugeln und Zuckersachen aus Guss geschmückt. Diese Zuckersachen wurden von Jahr zu Jahr aufgehoben, durften jedoch nicht gegessen werden. Erst ab um 1870 schmückte die Familie einen Tannenbaum.

Wunderschön anzusehen ist die Spieldose mit Figurenpaar aus dem 19. Jahrhundert, die eigentlich mit Weihnachten nichts zu tun hat. Es ist jedoch Familientradition, dass die Spieldose im Schrank verschlossen aufbewahrt wurde. Nur an Weihnachten wurde die Dose in der Stube aufgestellt und jedes Kind durfte einmal an der Kurbel drehen.

In der Ausstellung finden sich auch zahlreiche Erinnerungen an Weihnachten in der Kriegs- und Nachkriegszeit mit selbstgemachten Weihnachtsschmuck, den Tannenbaumfiguren vom Winterhilfswerk oder der Plätzchen-Ausstechform von 1944, die für Monika Czemper unabdingbar noch heute zum Weihnachtsfest gehört: „Weihnachten wurde es für mich immer, wenn die Zimtsterne gebacken wurden. Dafür hatte mein Vater 1944 eine ‚besondere‘ Form selbst hergestellt aus Flugzeugblech. Dieser Stern ist bis heute, auch bei meinen Enkeln, die beliebteste Ausstechform für Plätzchen.“

Den vielen Erinnerungen an Weihnachten im Heimatland ist gemein, dass das deutsche Weihnachtsfest als still und besinnlich oder auch als einsam empfunden wird. Kerstin Dickhaut beispielsweise stammt aus Schweden und vermisst bei der „deutschen Weihnacht“ das Tanzen um den Christbaum wie es in ihrer Heimat Brauch ist. Auch Atikatou verbindet mit Weihnachten in ihrem Heimatland Togo Tanz und Gemeinschaft: „Zu Weihnachten wurde der Hof mit Girlanden von den Mango- oder Zitronenbäumen geschmückt. Unter einem großen ‚Rosinenbaum‘ standen lange Tischreihen für die vielen Leute. Bei uns waren es etwa 30 Personen, die miteinander am 24. Dezember abends zusammen unter diesem ‚Rosinenbaum‘ aßen und tanzten. Hier ist Weihnachten schrecklich. Mein Mann geht manchmal ins Bett und ich sitze allein vor dem Fernseher. Für unseren Sohn Tofik brachte der Weihnachtsmann ein Polizeiauto. Viel schöner als Weihnachten hier ist Silvester. Dann feiern wir mit vielen afrikanischen Familien in einer Kirche in Altona bis in den frühen Morgen.“

Insgesamt ist in der Weihnachtsausstellung viel zu entdecken und ein großer Adventskalender informiert schlaglichtartig über 24 Stichpunkte zum Thema Weihnachten.

Ein Ausstellungsprojekt in Kooperation mit dem Diakonieverein Migration, der Geschichtswerkstatt Hainholz im Haus der Begegnung und der Frauengeschichtswerkstatt sowie der Plattdeutschen Werkstatt im Industriemuseum Elmshorn.