"Miteinander geht es besser" - 160 Jahre Geschichte der Konsumgenossenschaft
Datum: 14.06.2006
Datum: 27.08.2006
Brot essen
Die Wanderausstellung dokumentiert anschaulich, welche Verbesserungen sich durch Genossenschaftsgründungen vor allem für Arbeiter und Handwerker ergaben. „Im Konsum zu kaufen war für Arbeiter selbstverständlich.“ Die Konsumgenossenschaften sind ein Kind der Industrialisierung. Die Fabrikarbeiterinnen und -arbeiter deckten ihren Bedarf an Lebensmitteln bei Krämern, bei denen sie mangels Zahlungsmitteln oft anschreiben ließen. Die Krämer waren bekannt dafür, dass sie nicht ordentlich wogen und dass die von ihnen verkauften Lebensmittel nicht selten verfälscht oder verdorben waren. Gips wurde dem Mehl beigefügt, gemahlener Kaffee mit Sand gestreckt, alter Fisch unter Zuhilfenahme von Rindsblut für frisch verkauft und Schokolade wurde mit Hammel- oder Kalbsfett hergestellt.
Und so taten sich schon früh Arbeiter und Handwerker zusammen, um ihre Versorgungslage zu verbessern, gründeten Vereine und Genossenschaften. Auch in Deutschland wurden ab 1850 zahlreiche Konsumgenossenschaften gegründet. Das Besondere der Genossenschaft ist, dass man ihr, wie einem Verein, jederzeit beitreten kann und dass die Mitgliedschaft auch wieder kündbar ist. In diesem Fall wird das eingezahlte Geld – wenn es nicht durch Verluste aufgezehrt ist, wieder ausgezahlt. Überall in den Industriestädten entstanden ab den 1890er Jahren Konsumläden, um für Arbeiterfamilien Möglichkeiten eines verbesserten Einkaufes zu schaffen. Einen großen Teil ihres Lebensunterhaltes versuchten die Arbeiterfamilien mit eigener Produktion in ihren Kleingärten zu erwirtschaften. Viele Grundnahrungsmittel wurden jedoch durch die Lebensmittelindustrie so günstig angeboten, dass es ratsam war, sie zu kaufen. Dazu gehörten: Wurst- und Fettwaren, Brot und auch Spirituosen.
Genossenschaftliche Arbeiterkonsumvereine wurden als „dritte Säule“ im Kampf der Arbeiterschaft um Verbesserung ihrer Lebensumstände, da sie neben den Arbeiterparteien und den Gewerkschaften zur „Hebung der Arbeiterklasse“ beitrugen. Von Anfang an wurden die Konsumgenossenschaften vom Obrigkeitsstaat misstrauisch beobachtet. Die Konsumgenossenschaften schufen sich schließlich 1894 eine eigene Großhandelsorganisation, die Großeinkaufsgesellschaft Deutscher Consumvereine mbH mit Sitz in Hamburg. Die GEG, wie sie abgekürzt genannt wurde, entwickelte sich zu einem ausgesprochen erfolgreichen Geschäft. Sie beschränkte sich nicht auf die Großhandelsfunktion, sondern begann ab 1910 mit der Einrichtung von eigenen Fabriken.
Über 50 Produktionsbetriebe
In der Zeit bis 1933 hat die GEG sich über 50 Produktionsbetriebe zugelegt, darunter Fleischfabriken, Teigwarenfabrikation, eine Fischwarenfabrik, eine Kakao- und Schokoladenfabrik, eine Gemüse- und Obstkonservenfabrik, eine Käserei und eine Senffabrik. Produziert wurden aber auch Kleider, Zündhölzer, Möbel und Bürsten und noch vieles andere mehr.
So wurde die GEG schließlich in den 1920er Jahren zum größten deutschen Lebensmittelhandels- und Produktionsunternehmen mit über 8.000 Beschäftigten. Konsumverein für Elmshorn und Umgkonsumvereinegend E.G.m.b.H. Elmshorn war Ausgangspunkt eines im gesamten Kreis Pinneberg verbreiteten Konsumvereins. Der Verein wurde im Mai 1899 gegründet, bereits zwei Jahre später eröffnete das erste Ladengeschäft an der Ecke Schulstraße/Kirchenstraße. Weitere Verteilungsstellen folgten im gesamten Kreis Pinneberg. Wer beim „Konsum“ einkaufen wollte, musste Mitglied der Einkaufsgenossenschaft werden. In Langelohe bei Elmshorn wurde 1912 ein Verwaltungsgebäude (heute Steindamm 76) und eine Bäckerei mit einem Zentrallager gebaut. Hier konnten täglich bis zu 5000 Brote hergestellt werden. Die Belieferung der 22 Verteilerstellen wurde mit Kraftwagen, Lieferwagen und Pferden geregelt. Die erzielten Überschüsse des Konsumvereins wurden den Mitgliedern zum größten Teil rückvergütet. Diese Rückzahlungen ermöglichten vielen Arbeiterfamilien, kleine Rücklagen anzusparen. Der Verein unterhielt ebenfalls eine eigene Sparkasse. 1926 hatten sich im Elmshorner Konsumverein 5500 Mitglieder zusammengeschlossen. 1928 schloss sich der „Konsumverein für Elmshorn und Umgegend“ dem Hamburger Konsumverein „Produktion“ an. Damit konnten die Elmshorner von der größeren Leistungsstärke der damals bedeutendsten Konsumgenossenschaft in Deutschland profitieren.