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SONDERAUSSTELLUNGSARCHIV

Fahrt ins Blaue 28. Februar bis 6. Juni 2010

Der Sonntagsausflug

Der Weg in die heute gewohnte Freizeitgesellschaft war lang, erst die Einführung des 8-Stundentages sowie der Schutz des Sonntags und der Feiertage brachte ab 1919 auch Arbeiter-innen und Arbeitern etwas „Freizeit“. Für Ausflüge, aber auch für den Besuch der Kirche, bei Verwandten oder von Vereinen und Verbänden standen vor allem die Sonn- und Feiertage zur Verfügung.

Der Begriff Ausflug bezeichnet eine Fahrt, Wanderung oder einen Spaziergang, der häufig spontan als „Fahrt ins Blaue“ oder als Landpartie unternommen wird. Er verspricht die Flucht aus dem Alltag, ein Entkommen aus der Enge der Städte und die Erholung in der Natur. Als Sonntagsritual der Familie steht der Ausflug bzw. Spaziergang in Sonntagskleidung an erster Stelle bei biografischen Erinnerungen. „Schon als kleines Mädchen wusste ich sehr genau zu unterscheiden, ob es ein aufregender oder langweiliger Sonntag werden würde. Wenn die Erwachsenen einen Spaziergan vorschlugen, gehörte er in die Kategorie ‚langweilig‘… Ein aufregender Sonntag aber sollte es werden, wenn der Ausflug mit dem Auto in die Umgebung oder – besser noch – an den Strand gemacht wurde.“

 

Beliebte Ausflugsziele

Für die große Mehrheit der Familien bedeutete ein Ausflug meist einen Fußmarsch. Die Ziele lagen daher in der unmittelbaren Umgebung des Wohnortes. Neben dem Naturerlebnis und der Besichtigung von Sehenswürdigkeiten stand die Einkehr in einem der zahlreichen Ausflugslokale ganz oben auf der Wunschliste. Die Elmshorner spazierten in den Park-anlagen am Probstenfeld und entlang der Chausseen. Beliebt war auch der Besuch der oberen Krückau,

die zu einer Ruder-partie oder zum Baden einlud. In Fußnähe war Sibirien mit dem gleichnamigen Ausflugslokal gut besucht, ebenso wie der Wald in Lieth, der in ein „hochwertiges, höchst anziehendes Ausflugsziel“ mit Teichanlage, Kinderplanschbecken, Aussichtspunkt und Rosengarten verwandelt worden war. Mit der zunehmenden Mobilität größerer Bevölkerungsgruppen nahm die Bedeutung der Ausflugsziele rund um Elmshorn zu. Ob nun zu Fuß, mit dem Fahrrad, per Autobus, PKW, Zug oder Boot – beliebte Ausflugsziele waren die Nachbarorte Barmstedt und Uetersen, Elborte wie Wedel und Kollmar, sowie Sehenswertes in Hamburg.

 

Ausflug mit Picknick

Picknick bei Kollmar auf dem Deich um 1930 mit der Familie Oft ist ein Ausflug mit einem Picknick verbunden. Das Rasten und Verzehren selbst mitgebrachter Speisen unter freiem Himmel schwankt zwischen Notwendigkeit - bedingt durch das Fehlen entsprechender Gaststätten oder finanzieller Mittel - und purem Sommervergnügen. Besonders populär wurde das Picknick in England, da Queen Victoria häufig im Freien speiste.

Der klassische Picknickkorb, der sowohl das Essen als auch eine Decke, Geschirr und Besteck enthält, kam im 19. Jahrhundert in Großbritannien auf. Hier gehörte zum Picknick in jedem Fall auch die Teezubereitung, so dass vor der Erfindung der Thermoskanne oft ein tragbares Kochgerät mitgenommen wurde. Das Picknick ist bis heute auch bei den oberen Schichten beliebt und kann den Rang eines gesellschaftlichen Ereignisses haben.

 

Die Sammlung Fahrenkrug

Geschätzte 300 Picknickkörbe und Picknickkoffer – dies ist das Ergebnis der seit Jahrzehnten andauernden Sammelleidenschaft des Quickborner Mediziners Dr. Dr. Fahrenkrug. Seine ersten beiden Stücke erstand er während eines Aufenthaltes in Frankreich. Seitdem hat er nicht nur englische, französische, deutsche, amerikanische und skandinavische Körbe, Koffer, Taschen oder kleine Picknicksets gesammelt, sondern auch alles weitere aus dem Bereich des Freiluftspeisens: über 200 Isolierkannen, diverse Klapptische und -hocker, Klappbesteck mit Etui, verschließbare Gefäße für Salz und Gewürze.

Patente Koffer

Der Sammler begeistert sich sowohl für die edle Minibar mit Cocktail-Shaker in der handlichen Ledertasche, als auch für die praktische Aludose für zwei gekochte Eier mit integriertem Salzstreuer. Seine Stücke decken einen historischen Zeitrahmen von über 150 Jahren ab und reichen vom hochherrschaftlichen Kutschenkoffer aus königlichem Vorbesitz bis zum einfachen Plastik-Etui der 70er Jahre. Es ist vor allem die Faszination an der Ingenieurskunst und Erfindungsgabe, die Fahrenkrug zum Sammeln treibt. Dies betrifft insbesondere auch die „patenten Koffer“, in denen alles auf kleinstem Raum kunstvoll verpackt und gegen Transportschäden gesichert ist. Dabei enthalten die Picknickkörbe alles für das gelungene Picknick, von Geschirr über Salzstreuer bis hin zum Kocher mit Stövchen und Teekanne, zudem meist ansprechend und dem jeweiligen Zeitgeschmack angepasst in Material, Farbe und Form. Übrigens: zum Picknicken geht Fahrenkrug nie, er bevorzugt die weitaus bequemere Bedienung in seinem Lieblings-Restaurant…

 

Sonderausstellung Heimat ist für mich…

Sonderausstellung Heimat ist für mich Die Gewinnzahlen der Heimat-Lose

Hauptgewinn "Elmshorner Heimatkiste" 28

2. Preis "Elmshorner Heimatkiste" 27

3. Preis "Elmshorner Heimatkiste" 164

"Elmshorner Heimattüte" 10, 12, 22, 65, 83, 139, 381

Trostpreise 5, 7, 8, 13, 24, 25, 42, 47, 50, 55,59, 66, 78, 82, 92, 94, 114, 141,157, 200, 285, 328, 345, 362, 366,

368, 375, 394, 428, 475

 

Sonderausstellung Heimat ist für mich…

Heimat erlebt eine Renaissance als Gegenentwicklung zur Globalisierung – doch was wir unter dem Begriff Heimat verstehen hat sich im Lauf der Geschichte stark verändert.

Derzeit sind regionale Themen hoch im Kurs. Ob plattdeutsche Bücher, Krimis mit Lokalkolorit,
Tasche mit Heimat-Schriftzug oder die Vermarktung der landwirtschaftlichen Produkte der Region – immer mehr Menschen greifen zu Dingen, die Identität stiften. Heimat- und Stadtmuseen sind dementsprechend sehr beliebt. Aus Anlaß der Neueinrichtung der Außenstelle des Industriemuseums, dem Konrad-Struve-Haus der Ortsgeschichte, begeben wir uns auf die Suche nach persönlichen „Heimat-Gegenständen“. Wir möchten wissen was Heimat heutzutage bedeutet und zwar für alle Menschen - ob klein ob groß, ob alter Krückaustädter in 10. Generation oder jüngst aus fernen Ländern nach Elmshorn gezogen.

Was ist Heimat?

Ist Heimat ein Ort? Ist Heimat ein Gefühl? Für die Deutschen ist das Wort „Heimat“ ein vielfach gebrauchter Ausdruck.
Will man ihn aber übersetzen, gibt es Probleme. Heimat ist ein typisch deutscher Begriff, der eine eindeutige Übersetzung in andere Sprachen nicht zulässt. Englisch „homeland“ oder „roots“ bezieht sich auf die Heimat als das Vaterland, in dem man geboren wurde, auf den Ort der Verwurzelung. Die Sinnvielfalt des deutschen Heimatbegriffs ist in diesen Wörtern jedoch nicht enthalten. Denn Heimat ist nicht nur Geburtsort oder das eigene Wohnhaus, sondern Heimat ist noch mehr. Die Erinnerung gehört dazu, vieles ist im Unterbewusstsein vergraben: vorbeiziehende Wolken, der Geruch von frisch gemähten Gras, der Geschmack von Yamswurzel und Kochbanane oder die von der Mutter vorgelesene Gute-Nacht-Geschichte.

Was ist in der Ausstellung zu sehen?

Das Industriemuseum zeigt, was die Menschen mit dem Begriff Heimat individuell verbinden und welcher Gegenstand diesem Heimatgefühl jeweils zugeordnet wird. Jeden Tag kommen Heimatdinge neu hinzu, erst am letzten Tag des Ausstellungsprojektes wird die gesamte Vielfalt zu sehen sein. Begleitend präsentieren wir ausgewählte Elmshorner Heimat-Gegenstände aus der Museumssammlung wie das links abgebildete Stadtwappen.

Die Ausstellung bietet auch einen Überblick über die Geschichte des Heimatbegriffs, der durch die nationalsozialistische „Blut- und Bodenideologie“ extrem negativ belastet worden ist. Danach hatte der Begriff Heimat lange ein konservatives und verstaubtes Image und wurde mit Trachtenverein, Filmschnulze und ländlicher Idylle gleichgesetzt.
Inzwischen gewinnt der Begriff Heimat zunehmend wieder an Bedeutung, er hat für die Meisten nichts Deutschtümelndes mehr, sondern ist wieder selbstverständlicher geworden.
Alle Menschen brauchen eine Heimat – diese Ausstellung zeigt wie vielfältig Heimat sein kann.

Machen Sie mit !

Stellen Sie ihr Heimatobjekt im Industriemuseum aus: Wir suchen Gegenstände, die für Sie ganz persönlich „Heimat“ bedeuten. Ob Himbeerbonbons der Kindheit, Teddybär oder
ein Ziegelstein – leihen Sie uns Ihren Heimat-Gegenstand für das Ausstellungsprojekt aus. Zum Exponat benötigen wir von Ihnen einen kurzen Text zum Thema „Heimat ist für mich…“

Bis zum Ende der Sonderausstellung am 17. Januar 2010 kann sich jeder und jede aus Elmshorn und Umgebung – ob jung oder alt, ob in Elmshorn geboren oder zugezogen – beteiligen. Die Ausstellung wird mit jedem Tag umfangreicher.

Kurzanleitung zum Mitmachen

1. Wählen Sie einen persönlichen Heimat-Gegenstand aus
2. Schreiben Sie dazu einen kurzen Text zum Thema „Heimat ist für mich“
3. Geben Sie den entsprechenden Gegenstand mit dem Text im Industriemuseum während der Öffnungszeiten ab. Vergessen Sie für die Rückgabe nicht die Angabe von Name, Adresse und Telefonnummer
4. Senden Sie diesen Text möglichst auch per Email an info@industriemuseum-elmshorn.de
5. Nach Ausstellungsende, ab dem 20. Januar 2010 können Sie Ihren Gegenstand während der Öffnungszeiten wieder abholen.

Termine & Aktionen

Notieren Sie sich den Termin der Finissage am 19. Januar 2010. An diesem Sonntag endet das Ausstellungsprojekt und alle Heimatbeiträge sind zu sehen.

Aktion Heimat-Lose

Bei der Finissage werden auch die Gewinner aus der Aktion Heimat-Lose gezogen. Für 1 Euro pro Los gewinnen Sie mit etwas Glück ein Stück Elmshorner Heimat. Mit dem Erwerb eines Loses unterstützen Sie die Erstellung eines interaktiven Kataloges der Ausstellung „Heimat ist für mich…”, der im neu eingerichteten Konrad-Struve-Haus dauerhaft zu sehen sein wird.

 

Der schön gedeckte Tisch. Ein Kulturgut mit Verfallsdatum? Sonderausstellung im Industriemuseum vom 1.3. bis zum 30.8.2009

Was gehört auf einen gedeckten Tisch?

Teller, Schüsseln, Besteck, Gläser, Servietten und ein Tischtuch könnte eine Antwort lauten. Doch das war nicht immer so. Noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts war es in ländlichen Gegenden üblich, die alltäglichen Mahlzeiten gemeinsam aus einem Gefäß zu essen.

Die Speisen wurden zumeist im Kochgeschirr auf die blank gescheuerte Tischplatte gestellt. Nur an Festtagen legte die Hausfrau ein Tischtuch auf. Besteck aus Edelmetall oder Geschirr aus Porzellan waren ein Luxus, den sich nur die wohlhabenden Bauern leisten konnten, stattdessen wurden einfache irdene oder bunt dekorierte Schüsseln aus Steingut und Löffel aus Holz gebraucht.

Erst mit Aufkommen von Emailgeschirr zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das gemeinsame Essen aus einer Schüssel aufgegeben. Das industriell gefertigte und damit preiswerte Geschirr ermöglichte nun auch in diesen Kreisen die Herausbildung einer differenzierten Tischkultur.
Der festlich gedeckte Tisch des gehobenen Bürgertums, auf dem edles weißes Porzellan mit Goldrand, feine Tischwäsche und silbernes Besteck nicht fehlen durften, war das Vorbild, an dem man sich orientierte. An dem verwendeten Tisch- gerät zeigten sich Kultiviertheit und Status. Wechselnde Moden und tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen des 20. Jahrhunderts haben die Tischkultur dieser Epoche geprägt. So fanden die erste demokratische Regierungsform und der grundlegende Wandel der Gesellschaft zu Zeiten der Weimarer Republik ihren Widerhall in den Reformbestrebungen verschiedener Architekten und Designer wie Bruno Taut und Wilhelm Wagenfeld. Sie stellten die bürgerlichen Tischsitten radikal
infrage und entwarfen Geschirre und Bestecke aus neuen Materialien wie Glas oder Cromargan, die durch ihre vollkommen neue, absolut puristische Ästhetik in einem extremen Gegensatz zu den geschwungenen Formen und dem aufwendigem Dekor des bisher gebräuchlichen Tischgeräts standen.

Das Verschwinden der Haushaltswarengeschäfte

Feddersen, Heim & Nielsen, Boldt, Thormählen, Mohr-Stegert – lang ist die Liste der Elmshorner „Hausstandssachen- Geschäfte“, die inzwischen der Vergangenheit angehören. Das Einzelhandelsgeschäft für Glas, Porzellan, Steinzeug und Besteck hat ausgedient, die bürgerlichen Lebensformen haben sich geändert. Der Verfall der Tischkultur, der Untergang der deutschen Porzellanindustrie wird aktuell in den Medien diskutiert. Für den Ankauf eines 46-teiligen Porzellanservices fehlt heute oft die Motivation oder das Geld oder der Schrank ist für die Unterbringung zu klein. Der Trend zu Fast food und Fingerfood führt zurück zu einer Esskultur ohne Tisch, Geschirr und Besteck.

Die Sonderausstellung im Industriemuseum Elmshorn präsentiert streiflichtartig die Tischkultur des 20. Jahrhunderts, die sich bis heute zwischen Tradition und Innovation bewegt.

Typische und kuriose Objekte der Tischkultur, zu denen persönliche Geschichten und Erlebnisse von Elmshornerinnen erzählt werden, runden die Präsentation ab und zeigen die große Vielfalt des „gedeckten Tischs“.

 

„Gruss aus Elmshorn“ Stadtansichten auf historischen Postkarten
Sonderausstellung  im Industriemuseum vom 19.10.2008 bis zum 11.1.2009

Ansichtspostkarten - heute fast nur noch zum Versenden von Urlaubsgrüßen genutzt - haben sich im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts zu einem Massenmedium entwickelt, das zu vielfältigen Zwecken eingesetzt wurde. Die Ausstellung präsentiert das Medium Postkarte am Beispiel Elmshorns von der Jahrhundertwende bis zur Gegenwart. Ähnlich anderer Städte im Deutschen Reich vergrößerte sich Elmshorn seit Ende des 19. Jahrhunderts rasch. Industrialisierung und Bevölkerungswachstum veränderten die Stadtansichten radikal ebenso wie der Zweite Weltkrieg und der danach einsetzende Bauboom seit den späten 1950er Jahren. Viele Postkarten dokumentieren diese Entwicklung und veranschaulichen den Wandel der Stadt. Die Ausstellung mit der bunten Vielfalt ist bis zum 11. Januar 2009 im Industriemuseum Elmshorn zu sehen.

Zu der Postkartenausstellung erscheint am 10. November ein Sammlungskatalog als 21. Band in der Reihe „Beiträge zur Elmshorner Geschichte“ mit dem gleichnamigen Titel „Gruss aus Elmshorn“. Das Buch zum Preis von 18 Euro enthält alle in der Ausstellung gezeigten Postkarten in einem umfangreichen Bildteil, dem eine kurze Einleitung über das Sammelobjekt Postkarte vorangestellt ist sowie ein kurzer Abriss über die Geschichte der Postkarte.

Noch vor vier Jahren existierten nur rund 150 Postkarten im Original im Bestand von Stadtarchiv und Industriemuseum. Inzwischen gelang mit Hilfe des Fördervereins des Industriemuseums der Ausbau der Postkartensammlung zu einer fundierten und umfangreichen Sammlung von über 1000 Elmshorner Ansichtskarten. Aber nicht nur Elmshornkarten, sondern zum Beispiel auch Gruss-Karten aus New York oder ein Sammelalbum mit Weihnachts- und Neujahrs-Grußkarten fanden den Weg in das Museum.

Ein repräsentativer Querschnitt durch diesen Sammlungsbestand zeigt nun die neue Sonderausstellung im Industriemuseum. Die Postkarten reichen zeitlich von den 1890er bis in die 1970er Jahre. Der größte Teil der Karten wurde zwischen 1897 und dem 1. Weltkrieg gedruckt. Das ist kein Zufall, denn diese Zeit wird auch häufig das „Goldene Zeitalter“ der Postkarte genannt. Die Postkarte war ein Erfolgsmodell, obwohl die Idee offene Karten ohne Umschlag per Post zu befördern zunächst lange abgelehnt wurde. Erst ab 1870 konnten so genannte Korrespondenzkarten verschickt werden. Auf der Adress-Seite waren meist nur ein Wappen und die Adresszeilen zu sehen. Die Rückseite blieb für die Mitteilungen frei. Das änderte sich bald mit der illustrierten Postkarte. Die älteste Elmshorner Ansichtspostkarte der Museumssammlung stammt übrigens aus dem Jahr 1897.

In der Auswahl der Karten wurden Motive bevorzugt, die bisher nicht veröffentlicht worden sind, aber dennoch einen hohen dokumentarischen Wert haben. Weiterhin wird die enorme Bandbreite der Motive und Gestaltungen der Karten gezeigt. Mit großer Phantasie wurde selbst der belanglosesten Ortsansicht von Elmshorn Bedeutung verliehen, indem sie von einem „reizvollen Rahmen“ aus Blüten, Kleeblättern oder – wenn es patriotisch sein sollte - aus Eichenlaub bekränzt war. Hinzu kommen Darstellungen von Elmshorn bei Nacht – so genannte Mondscheinkarten - und Karten mit Applikationen wie beispielsweise Glitter.

Der Ausstellungsrundgang beginnt mit einer Kurzeinführung in die Geschichte der Postkarte und über das Sammelobjekt Postkarte. In zwei Bilderrahmen werden Variantenbeispiele kurz vorgestellt. Es folgt ein Querschnitt von besonders prachtvoll kolorierten Bildkarten – diese 24 Postkarten sind übrigens in dem Sammlungsband entsprechend in Farbe gedruckt. Nach Beispielen für Mehrbildkarten mit bis zu 12 verschiedenen Motiven auf der Ansichtsseite und Panorama-Aufnahmen werden Ansichten von Plätzen und einzelnen Straßenzügen topografisch vom Zentrum zum Stadtrand hin präsentiert. In den Bildunterschriften ist jede Karte kurz beschrieben und soweit bekannt der Verlag angegeben. Wenn vorhanden wurde das Jahr des Poststempels aufgeführt. Da einige Karten erst wesentlich später versandt oder auch mehrfach wieder aufgelegt worden sind, ist bei diesen zusätzlich eine Angabe zum vermuteten Aufnahmedatum beigegeben. Das gleiche gilt für das Datierungsverfahren bei Karten ohne Poststempel.

Kanonen statt Butter -
Ernährung und Propaganda im „Dritten Reich“

„Kanonen statt Butter. Ernährung und Propaganda im ‚Dritten Reich’“ lautet der Titel der Ausstellung im Industriemuseum Elmshorn (27. April bis 6. Juli 2008). Anhand der nationalsozialistischen Ernährungspolitik wird der Alltag im Dritten Reich veranschaulicht. Deutschland sollte nicht auf Lebensmittelimporte angewiesen sein und die Versorgung der Bevölkerung musste trotzdem gewährleistet werden. Dafür wurde mit immensem Propagandaaufwand der Lebensmittelverbrauch reduziert, dirigiert und kontrolliert. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen deshalb auch Kampagnen wie beispielsweise für den Eintopfsonntag, Fisch oder Kartoffeln „aus deutschen Landen“. Die vielfältigen Exponate belegen eindrucksvoll die Wirksamkeit des nationalsozialistischen Konzepts der Volksgemeinschaft.

Die bereits in Kiel, Bremen und auf Rügen gezeigte Wanderausstellung verzeichnete über 20.000 Museumsbesucher. Die Ausstellungskuratorin Dr. Sonja Kinzler bietet anlässlich der Eröffnung eine Einführung in die Ausstellung am Sonntag, 27. April, um 11.00 Uhr im Industriemuseum Elmshorn, Catharinenstraße 1.

Für die heutige Eltern- und Großelterngeneration - etwa bis Jahrgang 1935 - gehörte der Hunger eng zur Lebenswirklichkeit der nationalsozialistischen Zeit. Die heikle Mangelsituation der Jahre 1944 -1947 hat einen besonders prägenden Eindruck hinterlassen. Aus dem Bereich der Ernährung kommen dazu aber auch viele weitere lebendige Erinnerungen, etwa an Lebensmittelkarten, Kriegsrezepte wie „falsche Schlagsahne“ aus Gries und Magermilch oder den Eintopfsonntag. Weitere Beispiele sind die Mitarbeit in der Erntehilfe, das Aufgepäppelt werden in der Kinderlandverschickung, aber auch die gezielte staatliche Benachteiligung von Zwangsarbeitern oder Kriegsgefangenen.

Die Ausstellung „Kanonen statt Butter“ zeigt, welche ernährungspolitischen und ideologischen Grundlagen das Leben und die Versorgungslage von 1933 bis 1945 bestimmten. Es war die Absicht des national-sozialistischen Regimes, Deutschland von Lebensmittelimporten unabhängig zu machen. Dieses strategische Ziel wurde schon lange vor dem Krieg mit massiver Propaganda umgesetzt. Dafür mussten die landwirtschaftliche Produktion gesteigert und der Verbrauch reduziert, beziehungsweise die Ernährungsgewohnheiten der Bevölkerung umgestellt werden.

Die Propaganda griff damit weit in die Privatsphäre der Menschen ein. Das Thema Versorgungspolitik macht deutlich, wie sehr das NS-Regime mit seiner Ideologie das gesamte Alltagsleben bis hin zu grundlegenden Fragen wie dem täglichen Brot bestimmte. Die Durchdringung sämtlicher Lebensbereiche ist ein Charakteristikum des totalitären Staates. Die Ausstellung dokumentiert, wie das „Dritte Reich“ und sein Machtapparat im Alltag funktionierten, sowie mit welchen Mitteln die Menschen bewegt wurden, ihr Leben der NS-Ideologie unterzuordnen.

Viele Themenfelder der Ausstellung scheinen dabei heute nur auf den ersten Blick vertraut. Fisch, zum Beispiel, wird immer noch als besonders gesundes Lebensmittel beworben. Im Nationalsozialismus jedoch war die ausschlaggebende Absicht hinter der entsprechenden Propagandakampagne eine Reduzierung des Fleischverbrauchs und damit eine Minimierung der deutschen Abhängigkeit von Fleisch- beziehungsweise Futtermittelimporten aus dem Ausland. Um trotzdem die „Volksgesundheit“ zu erhalten, sollten die Verbraucher auf Seefisch als Eiweißlieferant zurückgreifen.

Das Einkaufen oder „Organisieren“ von Lebensmitteln, das Kochen und letztlich das Essen selbst gestalteten sich in einer Stadt wie Kiel damals ganz anders als heute. Schon vor dem Krieg galt das Prinzip „Kanonen statt Butter“ - mit anderen Worten: Ernährungsfragen waren seit 1933 der Kriegsvorbereitung und seit Mitte 1939 der Kriegswirtschaft untergeordnet. Für die meisten Menschen, die Normalverbraucher, herrschte bis zum Kriegsende keine existentielle Not. Aber die Auswahl an hochwertigen Nahrungsmitteln war doch sehr beschränkt. So erlernten die Hausfrauen das Essenkochen mit geringsten Mengen Fett und Fleisch. Unterstützend pries ihnen eine Flut von Ratgeberliteratur der NS-Ernährungsorganisationen zur „zeitgemäßen Küche“ die Mangelsituation als kulinarisch-organisatorische Herausforderung an.

Die Ausstellung ist in sechs Themenabschnitte gegliedert.
Sie führt über die nationalsozialistische Ernährungs- und Agrarpolitik und ihre ideologischen Voraussetzungen zu den Propagandakampagnen, beispielsweise für Fisch, für Kartoffeln oder für Resteverwertung. Damit sollten die wirtschaftspolitischen Vorgaben in der Bevölkerung verankert werden. Weiterhin geht es um die Rolle der Hausfrau als Verbraucherin - einschließlich des nationalsozialistischen Frauenbildes. Thematisiert wird ebenso die Versorgung außer Haus, die im „Dritten Reich“ mit seinen vielen Betriebs- und Lagerkantinen, Jugendeinrichtungen und bei Massenveranstaltungen eine große Bedeutung hatte. Die Zwangs- und Kriegswirtschaft, geprägt von der Lebensmittelrationierung mittels des Kartensystems sowie der Zusammenbruch der Versorgung mit dem Kriegsende bilden den Abschluss des Ausstellungsrundgangs.

Die zahlreichen Facetten des Themas der Ausstellung spiegeln sich in der Vielfalt der Exponate. Zu sehen sind Plakate und historische Fotos, zeitgenössische Publikationen, Werbebroschüren und Unterrichtsmaterialien, Akten, Kochbücher und Anleitungen für Hausfrauen, Haushaltsgeräte und Geschirr, ein Care-Paket und eine Brennhexe aus der frühen Nachkriegszeit. Hinzu kommen drei Tondokumente aus dem Deutschen Rundfunkarchiv (Gespräch mit Reichsminister Richard Walther Darré über die Einführung von Lebensmittelkarten von 1939, Rundfunkansprache zur Ernährungslage des deutschen Volkes von 1944, Spielszene von Karl Valentin „Die jetzige Lage“ von 1947), der Nordmark-Werbefilm „Wer hilft mit?“ von 1933 über die Winterhilfe der „Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt“ in Kiel.

Zur Ausstellung ist eine Begleitpublikation von Dr. Sonja Kinzler zum Preis von 7 Euro im Industriemuseum erhältlich.

„Bunte Werbewelt aus dem Apollo-Kino" Elmshorner Diawerbung der 1950er Jahre

Sonderausstellung im Industriemuseum Elmshorn 14. Februar bis 20. April 2008

geh ins kino sonderausstellung


Diawerbung im Kino war eine Reklameart mit viel Lokalkolorit. Das Kino war in den 1950er und 1960er Jahren das Unterhaltungsmedium schlechthin, die Elmshorner besuchten zahlreich die Kammerlichtspiele oder das Apollo-Kino.

Die bunten Bildchen mit ihren Botschaften auf der großen Leinwand prägten sich beim Kinopublikum ein. So werden noch heute Erinnerungen an Botschaften wie „Kurze Pause“ oder „Bitte beim Platznehmen keine Zwischenräume freilassen“ oder an die markanten Sprüche aus der Elmshorner Geschäftswelt wach. Das Industriemuseum Elmshorn zeigt in der Sonderausstellung ab dem 14. Februar Abzüge von rund 60 Werbedias aus dem Apollo-Kino.

 

 

"Weihnachtsbräuche wandern mit" Sonderausstellung 2.12.2007 bis 13.01.2008

Das Christentum ist eine der größten Religionen der Welt und so erstaunt es nicht, dass Weihnachten auf der ganzen Welt gefeiert wird. Weihnachten ist für viele Christen das größte Jahresfest, und auch Menschen anderer Religionen und Atheisten begegnen inzwischen weltweit Tannenbaum und Weihnachtsmann.

WeihnachtsbräucheWeihnachtssitten und -gebräuche variieren von Land zu Land und veränderten sich im Laufe der Zeit. Die Sonderausstellung „Weihnachtsbräuche wandern mit“ im Industriemuseum Elmshorn zeigt beispielhaft in verschiedenen Facetten Familientraditionen rund um das Weihnachtsfest früher und heute und welche Bräuche bzw. Rituale Familien aus ihrem Heimatland nach Elmshorn mitgebracht haben.
„Für mich ist Weihnachten, wenn…“ Menschen aus Elmshorn haben diese Frage vielfältig beantwortet und stellen dem Industriemuseum nicht nur ihre Weihnachtsgeschichten, sondern auch Fotografien und Objekte zur Verfügung.
Ob in der Familie weiter gereichter Baumschmuck wie die dickwandigen Glaskugeln aus der Zeit um 1850 oder der 1945 aus Flugzeugmetall selbstgefertigte Tannenbaumfuß mit Haltern in Zwergengestalt oder den gut hundert Jahre alten Pappmaché-Engeln mit inzwischen arg ramponierten Flügeln aus Glasfasern oder die hundert Weihnachtsmänner – alle diese Weihnachtsdinge fehlen in diesem Jahr das erste Mal in der Familientradition, da sie im Museum ausgestellt sind.

Elmshorner Familien beispielsweise aus Eritrea oder Kenia oder der Ukraine konnten dagegen kaum Erinnerungsstücke der Heimat mitnehmen - da ist das Gesangbuch der Oma aus Sibirien, aus der jedes Jahr am Heiligen Abend vorgelesen (aber nie gesungen) wurde, schon etwas ganz Besonderes!

Die frühesten Erinnerungen stammen von einem 1863 geborenen Elmshorner, für den das größte Fest des Jahres das Weihnachtsfest war. In seiner Familie wurde jedes Jahr ein Myrthenbäumchen mit Kerzen, dickwandigen Glaskugeln und Zuckersachen aus Guss geschmückt. Diese Zuckersachen wurden von Jahr zu Jahr aufgehoben, durften jedoch nicht gegessen werden. Erst ab um 1870 schmückte die Familie einen Tannenbaum.

Wunderschön anzusehen ist die Spieldose mit Figurenpaar aus dem 19. Jahrhundert, die eigentlich mit Weihnachten nichts zu tun hat. Es ist jedoch Familientradition, dass die Spieldose im Schrank verschlossen aufbewahrt wurde. Nur an Weihnachten wurde die Dose in der Stube aufgestellt und jedes Kind durfte einmal an der Kurbel drehen.

In der Ausstellung finden sich auch zahlreiche Erinnerungen an Weihnachten in der Kriegs- und Nachkriegszeit mit selbstgemachten Weihnachtsschmuck, den Tannenbaumfiguren vom Winterhilfswerk oder der Plätzchen-Ausstechform von 1944, die für Monika Czemper unabdingbar noch heute zum Weihnachtsfest gehört: „Weihnachten wurde es für mich immer, wenn die Zimtsterne gebacken wurden. Dafür hatte mein Vater 1944 eine „besondere“ Form selbst hergestellt aus Flugzeugblech. Dieser Stern ist bis heute, auch bei meinen Enkeln, die beliebteste Ausstechform für Plätzchen.“

Den vielen Erinnerungen an Weihnachten im Heimatland ist gemein, dass das deutsche Weihnachtsfest als still und besinnlich oder auch als einsam empfunden wird. Kerstin Dickhaut beispielsweise stammt aus Schweden und vermisst bei der „deutschen Weihnacht“ das Tanzen um den Christbaum wie es in ihrer Heimat Brauch ist. Auch Atikatou verbindet mit Weihnachten in ihrem Heimatland Togo Tanz und Gemeinschaft: „Zu Weihnachten wurde der Hof mit Girlanden von den Mango- oder Zitronenbäumen geschmückt. Unter einem großen „Rosinenbaum“ standen lange Tischreihen für die vielen Leute. Bei uns waren es etwa 30 Personen, die miteinander am 24. Dezember abends zusammen unter diesem „Rosinenbaum“ aßen und tanzten. Hier ist Weihnachten schrecklich. Mein Mann geht manchmal ins Bett und ich sitze allein vor dem Fernseher. Für unseren Sohn Tofik brachte der Weihnachtsmann ein Polizeiauto. Viel schöner als Weihnachten hier ist Silvester. Dann feiern wir mit vielen afrikanischen Familien in einer Kirche in Altona bis in den frühen Morgen.“

Insgesamt ist in der Weihnachtsausstellung viel zu entdecken und ein großer Adventskalender informiert schlaglichtartig über 24 Stichpunkte zum Thema Weihnachten.
Ein Ausstellungsprojekt in Kooperation mit dem Diakonieverein Migration, der Geschichtswerkstatt Hainholz im Haus der Begegnung und der Frauengeschichtswerkstatt sowie der Plattdeutschen Werkstatt im Industriemuseum Elmshorn.

Unter den Deckel geschaut

Kochbücher erzählen Geschichte Sonderausstellung 09.09. bis 25.11.2007

Was schmort unter Kochtopfdeckeln?
Kochbücher erzählen Geschichte. Die Rezepte sagen zwar nichts über konkrete Nahrungsgewohnheiten aus, aber die Kochbücher geben vielfältigen Eindruck in den jeweiligen Zeitgeschmack. Die frühen Kochbücher waren in erster Linie für die großen Küchen repräsentativer Häuser geschrieben, in denen allerhand Personal dem Leibkoch zur Seite stand. Einige damalige Gaumengenüsse von damals wie Saatkrähenragout, Bärentatzen oder gebratene Fischotter sind so gar nichts mehr für heutige Gourmets.

Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts entsteht eine Vielzahl von Kochbüchern, die sich fast ausschließlich an junge und unerfahrene Ehe- und Hausfrauen richteten.
Henriette Davidis‘ Kochbuchklassiker „Praktisches Kochbuch für die gewöhnliche und feinere Küche“ erschien erstmals 1844, erlebte bis zum Jahre 1963 insgesamt 75 Auflagen und fehlte bald in keinem deutschen Haushalt. Es war jahrzehntelang das typische Hochzeitsgeschenk und prägte Generationen von jungen Frauen. Davidis konzipierte ihr Buch als Leitfaden für die Küche.
In den Kriegs- und Nachkriegsjahren erschienen zahlreiche Kochratgeber, die auf die schlechte Versorgungslage Bezug nahmen. Sie gaben Anleitung vor allem zur Improvisation mit Ersatzstoffen und „gestreckten“ Lebensmitteln.

Kochen zwischen Alltag und Hobby
Erst Ende der 1950er Jahre wandelte sich der Kochbuchmarkt. Internationale Rezepte hielten Einzug, entsprechend dem Zeitgeschmack waren die Kochbücher im plaudernden Tonfall gehalten. Das Bild des passionierten Hobbykochs wurde kreiert, um nun auch das männliche Geschlecht zu besonderen Anlässen an den Herd zu bekommen. In der Regel kochte im Alltag jedoch nach wie vor die Frau.

Seit den 1970er Jahren überschwemmt ein wahrer Kochbuch-Boom den Markt. Vor allem Spezial-Kochbücher für einzelne Nahrungsmittel oder Speisen wie Suppen oder Aufläufe, aber auch bestimmte Zielgruppen wurden anvisiert mit Titeln wie „Kochbuch für den Single“ oder „Köstlichkeiten schnell gezaubert“ mit 220 Rezepten für die „perfekte Gastgeberin“. Eine ästhetisch ansprechende Aufmachung des Kochbuchs mit kunstvollen Lebensmittelfotografien wurde
immer wichtiger.

Im Zuge der Nostalgiewelle entstand zeitgleich ein Interesse an der regionalen Küche mit „typischen“ und traditionellen Gerichten. Ebenso erschienen seither zahlreiche Reprints oder kommentierte Neuausgaben historischer Kochbücher.

Die Flut der Fernsehköche
Eine besondere Sparte der Kochbücher sind die der Fernsehköche, die derzeit soviel Zuspruch wie noch nie erfahren. Clemens Wilmenrod war einer der Vorreiter der heute täglich mehrfach ausgestrahlten Fernsehkoch-Shows. Hier traten und treten wieder hauptsächlich Männer als Kochexperten auf – weniger für die tägliche Versorgung der Familie, sondern für kulinarische Höhepunkte. In dieser Tradition befinden sich die in lässiger Aufmachung gehaltenen Kochbücher und Fernsehshows der angesagten Kochstars wie Jamie Oliver,
Tim Mälzer, Sarah Wiener oder Alfred Biolek.

Leidenschaft: Kochbuchsammeln
Jan Schlüter besitzt zur Zeit der Drucklegung exakt 439 Kochbücher, diese Sammlung ist Basis und Ausgangspunkt der Kochbuchausstellung im Industriemuseum. Sein erstes Kochbuch „Dr. Oetker: Frohe Partys, kleine Feste“ erhielt der spätere Liebhaber verschiedenster Kochliteratur in den 1980er Jahren geschenkt. Der eigentliche Sammlungs-beginn kann auf das Jahr 1992 datiert werden – Jan Schlüter erbte den Kochbuchnachlass seiner Großmutter Amanda Schlüter geb. Hachmann, die als Kochfrau zahlreiche Hausfrauen bei der Vorbereitung und Durchführung privater Feste unterstützte.

Selbstverständlich stöbert Jan Schlüter nicht nur gern in seinen Kochbüchern, sondern kocht auch mit viel Vergnügen. Bei einem geselligen Kochabend wurde die Idee zu dieser Ausstellung geboren. Die eigene Sammlung der bekochten Freundin Monja Hermer erwies sich als ideale Ergänzung zu Jan Schlüters Büchern: Sie sammelt vor allem alte Rezeptbroschüren der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Die zusammengetragene Kochbuchliteratur wird durch zahlreiche persönliche Koch-Geschichten aus Elmshorn gespickt. Die Frauengeschichtswerkstatt widmete sich handgeschriebenen Rezeptsammlungen und speziellen Themen wie Kochen als Beruf, regionaler Küche und Kochen lernen in der Hauswirtschaftsschule.

Diese erlesenen Zutaten ergeben eine fein abgestimmte und delikate Ausstellung!


Bleischwer oder federleicht? Waagen von A bis Z - Sonderausstellung 2007waage

Die Waage ist nicht nur das Symbol der Gerechtigkeit, sondern auch das Sinnbild des Handels. Neben dem Längenmaß und der Uhr kommt ihr als Messgerät die größte Bedeutung zu. Mit dem aufkommenden Warenhandel mussten die Menschen das Gewicht, genauer: die Masse von Waren aller Art feststellen können.
Die älteste bekannte Waage ist vermutlich etwa 5000 Jahre alt: ein steinerner gleicharmiger Waagebalken aus Ägypten. Als Gewichte dienten unter anderem Steine oder Samen. Grabstellen in Ägypten zeigen bereits das „Totengericht“: Beim Tod eines Menschen haben die Götter der Unterwelt den Wert seiner Taten „gewogen“. Waagen waren von jeher relativ genaue Messinstrumente. Mit ihnen wog man alle Handelsgüter, auch Kostbarkeiten wie Gold oder seltene Gewürze. Redewendungen wie „Worte nicht auf die Goldwaage legen“ zeigen, welche Bedeutung man diesen Geräten zumaß.

Römische Schnellwaage

Zum Wiegen mit einer gleicharmigen Balkenwaage braucht man einen Satz Gewichte. Schon die Ägypter kannten eine so
genannte Schnellwaage, eine ungleicharmige Balkenwaage, die bereits in der Antike sehr verbreitet war. Der längere Arm trägt ein bewegliches Gewicht sowie Strichmarkierungen als Skala, am kürzeren Arm hängt die Schale für das Wägegut. Ein separater Gewichtssatz ist entbehrlich.

Revolutionär: die Erfindung der Tafelwaage vor etwa 200 Jahren

Die Tafelwaage, bei der die Schalen oberhalb des Waagbalkens liegen, brachte gegenüber der Balkenwaage mit hängenden Schalen erhebliche Erleichterungen in der Handhabung.

Von der Apotheker- bis zur Zählwaage

In der Folgezeit entstand eine Vielzahl von Waagenwaage unterschiedlicher Bauweisen für die verschiedensten Aufgaben.
1763 entstand die erste Waage mit direkter Gewichtsanzeige, die Neigungswaage. Dezimal- und Küchenwaage erschienen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Um 1850 wurden Versuche unternommen, das Wägeergebnis automatisch zu drucken.
1895 kamen in den USA Waagen mit gleichzeitiger Preisanzeige auf.
1939 leiteten zwei amerikanische Ingenieure mit der Nutzung elektrischer Widerstandsänderungen das Zeitalter der elektronischen Waagen ein. Inzwischen sind in fast allen Bereichen die mechanischen Waagen von digitalen Waagen verdrängt worden.

Kunterbunt von Maß und Gewicht

Lange Zeit gab es unzählige unterschiedliche Maße und Gewichte, da nahezu jede größere Stadt bzw. Gebiet ein eigenes Maßsystem besaß. Ein Pfund wog beispielsweise um 1830 in Hamburg 484 g und im preußischen Berlin nur 467 g. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurden die Maßsysteme zunehmend vereinheitlicht. 1872 wurde das metrische System im gesamten Deutschen Reich eingeführt.

Warnung vor falscher Waage und betrügerischen Gewichten

Trotz aller Regulierung und Kontrolle gab und gibt es stets auch betrügerischen Umgang mit Maßen und Gewichten. Waagen und Gewichte lassen sich manipulieren. Im antiken Griechenland wachten bereits Metronomen über das richtige Maß und Gewicht auf dem Markt. Heute kontrollieren die staatlichen Eichämter.

„Verstrickungen" – Stricken zwischen Kunst und Kultur
mit Objekten von Annette Greiner
strickliesl

Einen spannenden Blick auf eine alte Technik bietet die Sonderausstellung „Verstrickungen“ ab dem 5. November 2006 im Industriemuseum Elmshorn. Im Zentrum stehen große „Stricklieseln“ der Künstlerin Annette Greiner gemeinsam mit weiteren Kunstobjekten der Hamburgerin wie die „Strickleitern“, die eine ungewöhnliche Sichtweise auf das Thema Stricken bieten. Die künstlerische Auseinandersetzung mit dem alten Handwerk der klappernden Nadeln wird von der kulturhistorischen Aufarbeitung des Themas durch die Frauengeschichtswerkstatt Elmshorn und zahlreiche Objekte begleitet. Der Herstellungsweg vom Schaf bis zum Pullover wird anschaulich dokumentiert ebenso wie das Stricken als Bestandteil der bürgerlichen Mädchenerziehung und die strickenden Studenten in den Hörsälen der 1980er Jahre. Derzeit boomt das Stricken, selbstgestrickte Strümpfe sind „in“ - Strickkurse in New York und London sind ausgebucht berichten einschlägige Frauenzeitschriften. Die Ausstellung läuft die dunklen Wintermonate über bis zum 25. Februar 2007. Während der Ausstellungsdauer bietet das Industriemuseum Elmshorn selbstverständlich auch Praxiserfahrung rund ums Stricken und die Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch. Im Museums-Strickkaffee können Sie bei Kaffee und Kuchen Stricklieseln ausprobieren oder Socken stricken. Wir helfen bei allen Fragen rund ums Stricken!

Ständige Aktionen während der Ausstellung:
- bei Kaffee und Keksen stricken
- Stricken mit Strickliesln
- erste Strickanleitung für Unkundige
- ein Quadrat im Maß 8x8 cm stricken für eine gigantisch große Patchwork-Strickdecke

Gruppenführungen für Schulklassen und Erwachsene jederzeit nach Anmeldung auch außerhalb der Öffnungszeiten.
Ein Highlight: Stricken und Spinnen lernen in der alten Schule wie vor 100 Jahren.

Wanderausstellung ab 15. Oktober
„Miteinander geht es besser“ - 160 Jahre Geschichte der Konsumgenossenschaft

Brot essen

Die Wanderausstellung dokumentiert anschaulich, welche Verbesserungen sich durch Genossenschaftsgründungen vor allem für Arbeiter und Handwerker ergaben. „Im Konsum zu kaufen war für Arbeiter selbstverständlich.“ Die Konsumgenossenschaften sind ein Kind der Industrialisierung. Die Fabrikarbeiterinnen und -arbeiter deckten ihren Bedarf an Lebensmitteln bei Krämern, bei denen sie mangels Zahlungsmitteln oft anschreiben ließen. Die Krämer waren bekannt dafür, dass sie nicht ordentlich wogen und dass die von ihnen verkauften Lebensmittel nicht selten verfälscht oder verdorben waren. Gips wurde dem Mehl beigefügt, gemahlener Kaffee mit Sand gestreckt, alter Fisch unter Zuhilfenahme von Rindsblut für frisch verkauft und Schokolade wurde mit Hammel- oder Kalbsfett hergestellt.

Und so taten sich schon früh Arbeiter und Handwerker zusammen, um ihre Versorgungslage zu verbessern, gründeten Vereine und Genossenschaften. Auch in Deutschland wurden ab 1850 zahlreiche Konsumgenossenschaften gegründet. Das Besondere der Genossenschaft ist, dass man ihr, wie einem Verein, jederzeit beitreten kann und dass die Mitgliedschaft auch wieder kündbar ist. In diesem Fall wird das eingezahlte Geld – wenn es nicht durch Verluste aufgezehrt ist, wieder ausgezahlt. Überall in den Industriestädten entstanden ab den 1890er Jahren Konsumläden, um für Arbeiterfamilien Möglichkeiten eines verbesserten Einkaufes zu schaffen. Einen großen Teil ihres Lebensunterhaltes versuchten die Arbeiterfamilien mit eigener Produktion in ihren Kleingärten zu erwirtschaften. Viele Grundnahrungsmittel wurden jedoch durch die Lebensmittelindustrie so günstig angeboten, dass es ratsam war, sie zu kaufen.

kDazu gehörten: Wurst- und Fettwaren, Brot und auch Spirituosen. Genossenschaftliche Arbeiterkonsumvereine wurden als „dritte Säule“ im Kampf der Arbeiterschaft um Verbesserung ihrer Lebensumstände, da sie neben den Arbeiterparteien und den Gewerkschaften zur „Hebung der Arbeiterklasse“ beitrugen. Von Anfang an wurden die Konsumgenossenschaften vom Obrigkeitsstaat misstrauisch beobachtet. Die Konsumgenossenschaften schufen sich schließlich 1894 eine eigene Großhandelsorganisation, die Großeinkaufsgesellschaft Deutscher Consumvereine mbH mit Sitz in Hamburg. Die GEG, wie sie abgekürzt genannt wurde, entwickelte sich zu einem ausgesprochen erfolgreichen Geschäft. Sie beschränkte sich nicht auf die Großhandelsfunktion, sondern begann ab 1910 mit der Einrichtung von eigenen Fabriken.

Über 50 Produktionsbetriebe In der Zeit bis 1933 hat die GEG sich über 50 Produktionsbetriebe zugelegt, darunter Fleischfabriken, Teigwarenfabrikation, eine Fischwarenfabrik, eine Kakao- und Schokoladenfabrik, eine Gemüse- und Obstkonservenfabrik, eine Käserei und eine Senffabrik. Produziert wurden aber auch Kleider, Zündhölzer, Möbel und Bürsten und noch vieles andere mehr.

So wurde die GEG schließlich in den 1920er Jahren zum größten deutschen Lebensmittelhandels- und Produktionsunternehmen mit über 8.000 Beschäftigten. Konsumverein für Elmshorn und Umgkonsumvereinegend E.G.m.b.H. Elmshorn war Ausgangspunkt eines im gesamten Kreis Pinneberg verbreiteten Konsumvereins. Der Verein wurde im Mai 1899 gegründet, bereits zwei Jahre später eröffnete das erste Ladengeschäft an der Ecke Schulstraße/Kirchenstraße. Weitere Verteilungsstellen folgten im gesamten Kreis Pinneberg. Wer beim „Konsum“ einkaufen wollte, musste Mitglied der Einkaufsgenossenschaft werden. In Langelohe bei Elmshorn wurde 1912 ein Verwaltungsgebäude (heute Steindamm 76) und eine Bäckerei mit einem Zentrallager gebaut. Hier konnten täglich bis zu 5000 Brote hergestellt werden. Die Belieferung der 22 Verteilerstellen wurde mit Kraftwagen, Lieferwagen und Pferden geregelt. Die erzielten Überschüsse des Konsumvereins wurden den Mitgliedern zum größten Teil rückvergütet. Diese Rückzahlungen ermöglichten vielen Arbeiterfamilien, kleine Rücklagen anzusparen. Der Verein unterhielt ebenfalls eine eigene Sparkasse. 1926 hatten sich im Elmshorner Konsumverein 5500 Mitglieder zusammengeschlossen. 1928 schloss sich der „Konsumverein für Elmshorn und Umgegend“ dem Hamburger Konsumverein „Produktion“ an. Damit konnten die Elmshorner von der größeren Leistungsstärke der damals bedeutendsten Konsumgenossenschaft in Deutschland profitieren.

Sammeln als Leidenschaft

Im Keller oder auf dem Dachboden, im Kinder- oder Wohnzimmer schlummert sie im Schuhkarton oder im Vitrinenschrank: die Sammlung. Fast jeder Mensch hat eine mehr oder minder geheime Leidenschaft für irgendein Sammelobjekt. Oft werden im Laufe vieler Jahre daraus umfangreiche Sammlungen kostbarer Kleinodien oder auch kurioser Kultobjekte.

Das Industriemuseum Elmshorn bietet Sammlerinnen und Sammlern jetzt den geeigneten Schauplatz für ihre Schätze. Die erste Sonderausstellung der neuen Ausstellungsserie des Industriemuseums zum Thema Sammeln zeigt eine bunte Mischung vielfältiger Objekte der Sammelleidenschaft: Modellautos, Schreibfedern, Elefanten, Papierfahnen, Zollstöcke, Kreisel, Servietten, Streichhölzer und vieles mehr füllen die Vitrinen des Industriemuseums.

Der Sammler Albertus Lose hat vor etlichen Jahren seine Leidenschaft für Schreibfedern entdeckt. Mittlerweile umfasst seine Sammlung 60.000 Objekte, davon 19.000 verschiedene Stücke von der Gänsefeder bis zum Kugelschreiber. Um seine Sammlung angemessen darstellen zu können, hat er eigens Wandschaukästen gebaut. An zwei alten Schulbänken können alle Besucher das Schreiben mit Feder und Tinte selbst ausprobieren.

Zollstöcke in großer Zahl besitzt der Tischler Thomas Siefke aus Horst-Hahnenkamp. In seinem Heizungskeller lagert seine Sammlung von 13.000 dieser Messinstrumente. Viele seiner älteren Objekte ersteigert er bei eBay. Erst kürzlich erwarb er beispielsweise einen englischen Zollstock aus Elfenbein aus dem 19. Jahrhundert. Ob mit Wasserwaage, Flaschenöffner, in Zoll oder Zentimeter, mit Blindenschrift oder Papstmotiv – die Vielfalt ist überwältigend.

Eigentlich „Autofreak“ und nicht Sammler – aus dieser Passion heraus trug Hinrich Boldt 2000 Modellautos zusammen, von denen eine Auswahl in zwei großen Museumsvitrinen gezeigt wird.

Die jüngste ausstellende Sammlerin ist die 10-jährige Xenia Hermer, deren Sammlung von Elefanten bereits 300 Stück umfasst.

Diese vier Sammlerinnen und Sammler sind seit Jahren aktiv und ihrem Sammelgebiet treu. Das Industriemuseum zeigt weiterhin viele Objekte aus größeren und kleineren Sammlungen, die für die Besitzerinnen und Besitzer nur für einen bestimmten Lebensabschnitt eine Rolle spielten und dann in den Keller oder auf den Dachboden wanderten. So werden Stofftiere von Steiff, Briefmarken, Kronkorken, Servietten und vieles mehr ab dem 5. Februar im Museum zu bewundern sein.

 

 

14.08.05 bis 30.10.05
Zeit & Bewegung Schwichtenberg im Industriemuseum Elmshorn

Einzigartige Ausstellung zu Zeit+Bewegung an einem einzigartigen Ort vom 14.08.05 bis 30.10.05
Elmshorn - Kunst in Alltags- und Industriemuseen zu präsentieren liegt vielen fern, nicht jedoch dem renommierten Kieler Künstler und ehemaligen Professor Bernhard Schwichtenberg: „Ich halte Museen der Alltagsgeschichte für die wichtigsten Museen überhaupt. Sie leisten kulturelle Feldarbeit. Das Industriemuseum Elmshorn hat mir auf Anhieb gut gefallen.“ Schichtenberg und Industriemuseum – das passt und so zeigt das Elmshorner Haus kinetische Objekte von Bernhard Schwichtenberg in der Ausstellung „Zeit+Bewegung“ vom 14. August bis zum 30. Oktober.
postkarte
Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (S.-H.) stellte in ihrer Rede anlässlich der Verabschiedung des Professors aus seiner Lehrtätigkeit an der Muthesius-Hochschule fest: „Sein Ort als Künstler ist die Verbindung von Alltagskultur und Hochkultur.“ Dahinter steckt seine Überzeugung, dass „Kunst für jeden Einzelnen von uns und für die Gemeinschaft unersetzlich ist.“ Originell und provokativ verlässt Schwichtenberg die traditionelle zwei- und dreidimensionale Ebene der Kunst und bezieht die vierte Dimension Zeit und Bewegung mit ein. Seine kinetischen Objekte sind doppeldeutig. Sie bewegen sich, um etwas in Bewegung zu setzen. Sie fordern die Menschen zur kritischen Auseinandersetzung mit Gesellschaft und Politik auf. Sein Anliegen in seinem gesamten Kunstschaffen ist, Menschen in Bewegung zu setzen. In seinen Materialkästen verfremdet er Fundstücke aus verschiedenen Zeiten und ordnet die Dinge neu. Ministerin Erdsiek-Rave stellte treffend fest: Er „ist ein Meister des Sammelns, der Collage und der Montage. Kasten, Leitungen und Schalter gehören zu seinem künstlerischen Handwerkszeug. Vor ihm ist kein Feuerzeug, kein Wecker, keine Mausefalle sicher. Was wertlos erscheint und überholt, was vermeintlich marginal ist und ‚out of order’, das wird durch den Künstler Bernhard Schwichtenberg wiederbelebt, indem es in eine neue Ordnung, in einen neuen Kontext gestellt wird.“ Walter Jens nannte ihn daher den „Augen-Öffner“. Schwichtenbergs streitbare „Sehstücke für Kopf und Bauch“ Materialcollagen in Holzkästen, kinetischen Objekten, Lichtspielereien und Drahtplastiken waren bisher an über 200 Ausstellungen weltweit beteiligt.

Das aktuelle Ausstellungsprojekt im Industriemuseum Elmshorn ist anlässlich des Projektes „Elmshorn: Zeiten einer Stadt“ initiiert. Dieses Modellprojekt im Rahmen der gemeinsamen Landesplanung der Metropolregion Hamburg will die Lebensqualität der Elmshorner erhöhen, indem gemeinsame Zeitangebote aufeinander abgestimmt und alltagsfreundliche Zeitgestaltung entwickelt wird.
„Zeit - was ist das eigentlich? Das Thema Zeit ist sehr abstrakt und so wollten wir im Industriemuseum mit einer Ausstellung die vielfältigen Facetten anschaulich beleuchten und die Menschen für das Thema sensibilisieren“ äußert die Museumsleiterin Bärbel Böhnke. Gedanken über die Zeit, die Geschichte der Zeitmessung und die Veränderung der Zeit durch die Industrialisierung sind überaus spannend. Nicht die Dampfmaschine, sondern die Uhr ist die wichtigste Maschine des Industriezeitalters. Die Uhr dient dazu, die Tätigkeit der Menschen zu synchronisieren. „Die kinetischen Objekte von Schwichtenberg hinterfragen genau diese Synchronisation, unsere Abhängigkeit von einer fremdbestimmten Zeit, die nicht mit der inneren Uhr jedes einzeln Individuums übereinstimmt“ sagte die Museumsleiterin, die auch besonders erfreut über das einmalige Rahmenprogramm zur Ausstellung „Zeit+Bewegung“ ist. Bernhard Schwichtenberg und das Industriemuseum bieten am 21. August, 7. September und am 6. Oktober jeweils ab 14 Uhr.

Aktionen wie der Bau einer Zeitmaschine oder Löten von Drahtobjekten mit dem originellen Künstler an.
Auch die Ausstellungseröffnung am 14. August um 11 Uhr ist etwas ganz besonderes: „Zeitkümmerer“ begrüßen die Besucher und werben für den Aktionstag „Elmshorn sucht seine Zeitdiebe“ am 7. September und statt einer Einführungsrede stellt sich Bernhard Schwichtenberg einem Gespräch mit Gerd W. Ahrens (Vorstandsmitglied Kunstverein Elmshorn) und dem Künstler Anders Petersen (Kulturpreisträger der Stadt Elmshorn) moderiert von Knuth Peneranda-Quast (Redakteur Elmshorner Nachrichten) zur Verfügung. Passend zum Thema das musikalische Rahmenprogramm „Die Erde ist ein großer Wandelstern“ Gedanken über die Zeit von und mit Anna Haentjens.

„Gruss aus Elmshorn“

Stadtansichten auf historischen Postkarten

In den Bildarchiven von Industriemuseum und Stadtarchiv befinden sich zahlreiche Postkarten aus Elmshorn mit historischen Stadtansichten, Denkmälern, öffentlichen Gebäuden und Straßenzügen, die bisher noch nicht gezeigt worden sind.

 


Sonderausstellung „Auf in die Ferne“ - Reisen in den 50er Jahren

Urlaub für alle
„ Die Deutschen werden reisen wie noch nie, wenn sie erst wieder satt zu essen haben“, prophezeite 1949 Carl Degener, der spätere Geschäftsführer der „Touropa“. Von den „Hungerjahren“ der schweren Nachkriegszeit arbeitete sich Deutschland seit den späten 1950er Jahren zum „Reiseweltmeister“ empor. Nicht nur kleine, vermögende Kreise, sondern auch die Masse der Bevölkerung kann sich seitdem erstmals regelmäßig Urlaubsreisen leisten. Ob mit Eisenbahn, Omnibus, Schiff, Auto, Motorrad oder Fahrrad – den Reisen vor 50 Jahren war gemeinsam, dass lange für die allenfalls einmal pro Jahr stattfindende Urlaubsreise gespart wurde.

Italien – Land der deutschen Reisesehnsucht
Die Abschaffung der Visumpflicht in den meisten Urlaubsländern 1954, die Verlängerung der Urlaubszeit, die wachsende Kaufkraft der „Wirtschaftswunderjahre“ und die damit einhergehende Motorisierung führten zu einer Reisewelle, deren Ziele in steigendem Maß im Ausland lagen. Neben der deutschsprachigen Schweiz und Österreich lockte vor allem „Bella Italia“. „Italien war das absolute Muss, wenn man sich was leisten konnte“, eine Urlaubsreise, die zugleich zu Hause das Sozialprestige hob. Dem sonnigen Land am Mittelmeer galten die Urlaubssehnsüchte, aber die tatsächlich besuchten Reiseorte fielen eher bescheiden aus. 1954 fuhren nur 15 % der Urlaubsreisenden ins Ausland, und zwar überwiegend nach Österreich.

Reisebüros bedienen Urlaubsträume
Wohin die Reise gemeinhin ging, zeigt der Prospekt „Elveshörn - Sommerreisen“ aus dem Eröffnungsjahr des „Elmshorner Reise- und Verkehrsbüros“. 1954 konnten die Elmshorner bei dem Firmengründer Hermann Meissner und seiner Frau Hermine in der Königstraße Ferienreisen nach Oberstdorf im Allgäu für 85,- DM, in den Schwarzwald für 90,- DM, eine Rheinfahrt für 55,- DM oder an Lahn, Rhein und Sieg für 45,- DM buchen. In diesen „Kinderjahren“ des Tourismus entstanden zahlreiche Reisebüros, die zum einen vor allem Ferienreisen in Deutschland, in die Schweiz und nach Österreich vermittelten, aber auch selbstorganisierte Tagesausflüge, Fahrten in Hamburger Theater und mehrtägige Gesellschaftsreisen mit dem Omnibus anboten.
Fernweh stillen im Heimatland
Auch 1957 blieben noch zwei Drittel der Reisenden aus Kostengründen in Deutschland. Zu den beliebtesten Reisezielen gehörten die Alpen und Voralpen, der Schwarzwald, die Seebäder an der Nord- und Ostsee, der Teutoburger Wald und der Harz. Die Mehrheit der Urlauber bewegte sich nicht mehr als rund 500 km vom Heimatort fort.
Seither reisten Jahr für Jahr dann immer mehr Deutsche Richtung Süden, bis 1970 meist per Bahn oder Auto nach Italien, danach immer häufiger per Flugzeug nach Spanien. Heute machen mehr Deutsche im Ausland Urlaub als im Inland, und Spanien steht an der Spitze der ausländischen Urlaubsziele.

Urlaubszeugen im deutschen Wohnzimmer
Mit dem Tourismus verbreiteten sich massenhaft Postkarten und Souvenirs aus den Reiseorten. Viele Urlauber knipsten ihre schönsten Tage des Jahres und legten liebevoll gestaltete Fotoalben an oder luden ihre Bekannten und Verwandten stolz zu Diavorträgen ein. Lassen Sie im Museum die „schönsten Tage des Jahres“ Revue passieren!

Das Industriemuseum Elmshorn zeigt mit der Sonderausstellung „Auf in die Ferne“ die Entwicklung des Urlaubs von der luxuriösen Bildungsreise bis zur selbstverständlich gewordenen Verschnaufpause vom Arbeitsalltag. Die Ausstellung stellt wichtige Etappen der Tourismusgeschichte dar: von der mittelalterlichen Pilgerfahrt über das Reisen als Privileg wohlhabender Schichten des 19. Jahrhunderts hin zur Erfindung des Urlaubs, wie wir ihn heute kennen. Der Schwerpunkt liegt auf den 1950er Jahren, die Zeit, die nach den „schlechten Jahren“ für viele Deutsche erstmals die Erfüllung ihrer Fernwehträume möglich machte. Fotos, Dokumente, Souvenirs, ein Reisebüro, ein Motorrad mit Beiwagen, Campingartikel und andere Gegenstände lassen die Reisesehnsucht der 50er Jahre wieder aufleben. Einen Einblick in persönliche Erinnerungen an erste Campingtouren, Klassenfahrten oder Traumreisen bieten Reiseberichte und Fotoalben von Elmshorner Bürgerinnen und Bürgern.

„Die ungesühnten Morde von „KolaFu 15. Mai 2004 – 06. Juni 2004
Die ungesühnten Morde von „KolaFu“

Eine Ausstellung über Gewalt und Willkür im Konzentrationslager Fuhlsbüttel.
Während der Zeit des Nationalsozialismus kamen im Konzentrationslager Fuhlsbüttel zahlreiche Menschen um, wurden misshandelt und traktiert. Die Wanderausstellung >„KolaFu“ – ein Ort der Willkür und Gewalt < mit über 40 Tafeln, Lesepulten und Videoinstallation dokumentiert umfassend die Geschichte des Lagers und der Strafanstalt und ist vom 15. Mai bis 6. Juni 2004 im Industriemuseum Elmshorn zu sehen.
Der Schrecken von „KolaFu“ wurde auch in Elmshorn spürbar, als vor 70 Jahren in der Krückaustadt eine Verhaftungswelle „wegen Vorbereitung zum Hochverrat“ begann, in der schließlich 290 Personen aus Elmshorn und Umgebung verhaftet und in das Konzentrationslager Fuhlsbüttel transportiert worden sind. Die Wanderausstellung der KZ-Gedenkstätte Neuengamme ist aus diesem Grunde extra für diesen Ausstellungsort um Tafeln zum Thema „Widerstand und Verfolgung in Elmshorn“ erweitert worden.
Insgesamt sind im Nationalsozialismus in dem Konzentrationslager und der Haftanstalt Fuhlsbüttel 450 Menschen ums Leben gekommen. Sie starben an den Folgen von Misshandlung, wurden ermordet oder in den Tod getrieben.
Das Konzentrationslager Fuhlsbüttel entstand im September 1933 nicht auf Betreiben von SA oder SS, sondern als Einrichtung der Hamburger Landesjustizverwaltung und Strafvollzugsbehörde. „KolaFu“ war von Beginn an Folterstätte der Staatspolizei, zunächst als reines Männerkonzentrationslager, ab August 1934 waren hier auch Frauen inhaftiert.
Einer der sechs Themenschwerpunkte der Ausstellung sind die »Verfolgtengruppen«: Neben zahlreichen Repräsentanten des Arbeiterwiderstands zählten hierzu auch christliche, jüdische, nichtdeutsche, homosexuelle, widerständige und unangepasste Bürgerinnen und Bürger. Unter anderem werden die Schicksale des kommunistischen Redakteurs und Schriftstellers Willi Bredel und der Schauspielerinnen Ida Ehre , Hanne Mertens und des Elmshorners Reinhold Jürgensen, der am 20.12.1934 in KolaFu ermordet worden ist, näher beleuchtet.
Dokumentiert werden aber auch Kommandanten und Angehörige der Wachmannschaft des KZ und deren Erfahrungen mit der Hamburger Justiz nach 1945. Kein einziger Wachmann wurde wegen Mordes oder Totschlags verurteilt, obwohl allein in den ersten vier Monaten der Existenz des KZ zehn Gefangene ums Leben kamen. Alle zu Freiheitsstrafen verurteilten Wachmänner wurden in den 1950er Jahren vorzeitig aus der Haft entlassen.

Die Wanderausstellung wurde 2003 zum 70. Jahrestag des KZ Fuhlsbüttel von der KZ Gedenkstätte Neuengamme erstellt und im Hamburger Rathaus präsentiert.
Das Industriemuseum Elmshorn zeigt diese Wanderausstellung der KZ-Gedenkstätte Neuengamme in Kooperation mit dem Antifaschistischen Arbeitskreis Elmshorn, dem Deutschen Gewerkschaftsbund Kreisregion Unterelbe und der Industriegewerkschaft Metall Unterelbe.

HAB ACHT! 15. Februar 2004 – 09. Mai 2004
Eine Plakatausstellung zu den Anfängen von Unfallverhütung und Arbeiterschutz

Zu den Beständen des Landesarchivs zählt eine Plakatsammlung aus den 1920er Jahren.
Sie thematisiert vorrangig die Unfallverhütung und den Arbeiterschutz. Einige der Plakate tragen die Aufschrift »Hab acht!« und sollten mit ihrem auffordernden Charakter die individuelle Aufmerksamkeit der Arbeiter im Arbeitsalltag schärfen. Ein Nachlassen der Konzentration war in den Arbeitsbedingungen der damaligen Zeit begründet, die überlange Arbeitszeiten, ungesunde Arbeitsbedingungen und durch Maschinen vorgegebene monotone Arbeitsrhythmen prägten. Dies zusammen genommen wirkte sich extrem unfallgefährdend aus. Die Ausstellung setzt zeitlich mit dem Deutschen Kaiserreich ein.

In dieser Zeit entstanden das soziale Netz und die Grundlagen für die Unfallverhütung und für den Arbeiterschutz. Sie wirken bis in die Gegenwart fort. Die ausgewählten Plakate spiegeln eine thematische Vielfalt und machen gleichermaßen technischen Fortschritt, wachsendes Gefahrenbewusstsein am Arbeitsplatz und plakative Reaktionen darauf anschaulich. Innovationen auf dem Energiesektor und in der chemischen Industrie brachten nicht nur Erleichterungen für die Menschen, sondern waren auch mit neuen Unfallgefahren verbunden. Hier mussten auf neue Fragen erst noch die richtigen Antworten gefunden werden. Zum ersten Mal in der Geschichte fand mit der Anerkennung von gewerblichen Berufskrankheiten der ursächliche Zusammenhang von Arbeit und Krankheit gesetzliche Anerkennung.

Und schließlich spielte die Unfallprävention durch die Verwendung von Schutzvorrichtungen an Maschinen, das Tragen angemessener Arbeitskleidung und Maßnahmen zum Brandschutz eine nicht unerhebliche Rolle. Ein weiterer Aspekt wird anhand der Plakate zur Ersten Hilfe deutlich. Sie empfehlen eindringlich, welche Maßnahmen zu ergreifen sind, wenn sich ein Unfall ereignet hat. Die Ausstellung bezieht Gegenstände ein, die neben dem Fortschritt der Technik auch die neuen und wachsenden Berufsrisiken und ihre Bekämpfung durch die Behörden, Versicherungen und Genossenschaften verdeutlichen.

Die Ausstellung »HAB ACHT!« ist ein Gemeinschaftsprojekt des Landesarchivs Schleswig-Holstein und der Unfallkasse Schleswig-Holstein


„ 50 Jahre Museum in Elmshorn“
25. Oktober 2003–01. Februar 2004

Zum 50jährigen Geburtstag des Museums in Elmshorn präsentiert die Sonderausstellung anschaulich und mit zahlreichen spannenden Gegenständen die Museumsgeschichte.
Dargestellt sind die ersten „Altertümer“ der Sammlung und einige Ausstellungsbereiche, wie sie schon im ersten Museumsgebäude präsentiert waren. Die Ausstellung bietet auch einen Blick hinter die Kulissen – auf Magazinregalen sind Gegenstände aus allen Sammlungsgebieten des Museums von geologischen Bodenfunden über Handwerksgeräte und Zahnarzt-Utensilien bis hin zu Exponaten aus der Elmshorner Industrie zu sehen. Sammlungsgeschichten zu Objekten der Dauerausstellung ergänzen die Geburtstagsschau.
Etliches ist lange nicht mehr oder noch nie ausgestellt worden: Es erwarten Sie einzelne Kuriositäten und zahlreiche Schätze aus der Elmshorner Museumssammlung!

Die Anfänge der Sammlung
Die Museumsarbeit in Elmshorn begann 1920, als der plattdeutsche Heimatverein „Tru un fast“ einen Museumsausschuss gründete.Gründungsmitglied war auch der Heimatforscher Konrad Struve, der später Museumsleiter wurde. Der Ausschuss sammelte „Altertümer“ und veranstaltete Lotterien, um das nötige Geld zum Erwerb von Räumen für die Einrichtung eines Elmshorner Heimatmuseums zusammenzutragen. Aufgrund der wirtschaftlichen Lage in der Inflationszeit kam jedoch nicht genügend Geld zusammen und die Exponate lagerten zunächst behelfsmäßig auf dem Speicher der Bismarckschule.
Die Sammlung umfasste Gegenstände und Archivalien, unter anderem Funde aus der Vor- und Frühgeschichte, aber auch vorindustrielle Hausgeräte, Möbelstücke, Truhen, Trachten, Schmuck und Waffen sowie Exponate aus dem traditionellen Handwerk. Trotz der Wirren des Zweiten Weltkrieges konnte der größte Teil dieser frühen Sammlung bewahrt werden. Viele der zahlreichen Objekte sind erhalten geblieben und einige sind in der Dauerausstellung des Industriemuseums zu sehen.
 
Das Konrad-Struve-Museum
Erst 1952 konnten die Elmshorner Museumspläne konkretisiert werden. Das Museum fand seinen Platz zunächst in einem Gebäude der ehemaligen „Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV)“ in Drückhammers Gang, einem Seitenweg der Königstrasse. Die Einweihung des Gebäudes erfolgte bereits am 15. September 1952 anlässlich des 83jährigen Geburtstages Konrad Struves. Unter der Anleitung des Archäologen Dr. Karl Wilhelm Struve, einem Sohn Konrad Struves, wurde das Museum dann mit Hilfe der Stadt und Ehrenamtlichen eingerichtet. Ab dem 25. Oktober 1953 war das Museum, das nach dem Gründer der Sammlung und Ehrenbürger der Stadt Elmshorn „Konrad-Struve-Museum“ genannt wurde, dann mit einer Ausstellungsfläche von rund 250 qm für die Öffentlichkeit zugänglich. Die Präsentation umfasste Geologie, Vor- und Frühgeschichte sowie Handwerk und Ortsgeschichte bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. Bald erwies sich jedoch das feuchte und schlecht heizbare Museumsgebäude als ungeeignet, so dass das Museum 1972 in das ehemalige Standesamt in die Bismarckstraße umzog. Noch heute sind im „Konrad-Struve-Haus der Ortsgeschichte“ Teile der Sammlung zu sehen.
1981 übernahm Uwe Köpcke gemeinsam mit weiteren 15 Museumsbegeisterten
die ehrenamtliche Leitung des „Konrad-Struve–Museums“. Die Museumsgruppe legte einen neuen Sammlungsschwerpunkt auf Alltag und Arbeit in der Industriezeit.

Das Industriemuseum Elmshorn
Nach erfolgreichen Sonderausstellungen zu Themen der Industriezeit konzipierte die Museumsgruppe die Sammlung neu. Das Museum erhielt nach dem Umzug in ein ehemaliges Fabrikgebäude in der Catharinenstraße den Namen „Industriemuseum Elmshorn“. Das Museum wurde am 23. Mai 1991 eröffnet und zeigt heute auf einer Aufstellungsfläche von 850 qm den Wandel der Lebens- und Arbeitsverhältnisse im Industriezeitalter am Beispiel Elmshorns. Neben der Dauerausstellung zogen zahlreiche Sonderausstellungen und ein umfangreiches und lebendiges Programm bisher mehr als 80.000 Besucherinnen und Besucher in das Industriemuseum.
Im „Konrad–Struve–Haus der Ortsgeschichte“ blieben jedoch gleichzeitig die Museumsbereiche Geologie, Vor- und Frühgeschichte, Wal- und Robbenfang, Gold- und Silberschmiede sowie die rekonstruierte Wohnstube von 1800 bestehen.
Außerdem beherbergt das Gebäude den Heimatverein „Tru un fast“, die Vereinigung für Familienkunde und die Ernst-Behrens-Stube. Seit Sommer 2003 findet im Konrad-Struve-Haus das museumspädagogische Programm „Erlebnis Steinzeit“ statt.

Kulturtechnik Sparen 25. Mai bis 28. September 2003

Die Ausstellung „Kulturtechnik Sparen“ zeigt anhand zahlreicher Objekte, Fotos und Zitate, wie Sparsamkeit in ihren unterschiedlichen Facetten den Lebensstil der Menschen früher prägte und heute noch in vielen Bereichen des Alltags wirksam ist. Menschen werden je nach ihrer Einstellung zum Sparen beurteilt: die Verschwenderin oder der Geizhals.
 
In der Kriegs- und Nachkriegszeit war Sparen überlebensnotwendig. Zeitzeugen berichten von ihren Erlebnissen aus der Zeit des Mangels. Wie backt die Mutter einen Geburtstagskuchen ohne Fett und Eier? Und wie reicht der Kaffee für alle?
 
Aber auch heute sind viele Spar-Techniken im Umlauf: mittwochs werden die Anzeigenblätter nach Schnäppchenangeboten durchgesehen. Die Zeitung wird zwar nicht mehr als Toilettenpapier benutzt, dient aber nach wie vor als Unterlage beim Gemüseschnippeln. Diese Selbstverständlichkeiten, aber auch Kurioses wie die mittels Fahrradkette und Fußantrieb funktionierende Waschmaschine rückt die Ausstellung ins Blickfeld.
 
Die verschiedenen Ressourcen Geld, Zeit, Arbeit und Energie greifen ineinander. Wer Geld spart, muss dafür oft mit Zeit und Arbeit bezahlen: Das selbstgebaute Regal besteht zwar aus günstigen Brettern aus dem Baumarkt und passt genau in die Ecke, es muss aber Platz sowie das entsprechende Werkzeug zum Selberbauen vorhanden sein, und außerdem viel Zeit investiert werden.

„Mister Tagesschau“ kommt ins Wohnzimmer.
50 Jahre Deutsches Fernsehen
  12.01.-21.04.2003

Die Sonderausstellung dokumentierte vor allem die spannenden ersten Jahre der Fernsehgeschichte. Das Fernsehstudio mit Kamera, Scheinwerfer und Schneidegerät zeigte die Technikausstattung der frühen Jahre, die „Mister Tagesschau“ in die Wohnstuben der BRD einziehen ließ.
Die Inszenierung eines Wohnzimmers der 50er Jahre mit der typischen Fernsehtruhe widmete sich den ersten Erfahrungen der Konsumenten des neuen Mediums. Die Wohnzimmermöbel wurden in Richtung Bildschirm ausgerichtet.
Auf dem Beistelltisch lag die „HÖRZU“, die sich sehr schnell zur führenden Programmzeitschrift entwickelte, nun mit dem Zusatztitel „SIEH FERN“.
Bei den Elektro- und Radiogeschäften begann mit dem „Zauberspiegel“ eine neue Ära. Anhand der Elmshorner Firma Radio-Wichmann zeigte die Sonderaustellung Werbestrategien, Preise und die Verbreitung bis zum Massenmedium. Radiomechaniker schulten sich in Abendkursen zu Fernseh-Fachleuten. Kundenfreundlich hieß das Motto: „Kein Bild – kein Ton – wir kommen schon“.

Sonderausstellung "Kindheit und Jugend im Nationalsozialismus" 08.05.-24.11.2002

Eine ganze Generation von Deutschen erhielt ihre Sozialisation in der Nazizeit. Schule, Hitlerjugend und die verschiedensten Dienste waren die Institutionen, die die Kinder und Jugendlichen im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie zu beeinflussen suchten.
"Das war eine wunderschöne Zeit" sagen viele noch heute über ihre Jugendjahre im Nazi-Deutschland. Andere denken nur an dunkle Kälte, Schmerz, Hunger und Angst. Diese gegensätzlichen Erinnerungen sind das typischste Merkmal jener Jugendjahre. Ein Zeitzeuge erinnert sich: "Die schönen Erinnerungen sind uns geblieben, und damit auch das süße Gift. Wir wurden vergiftet und das Werk der Entgiftung war schwer."
Die Ausstellung mit den 4 Inszenierungen Elternhaus, Klassenzimmer, Fahrtenlager und Luftschutzkeller war im Industriemuseum im 2. und 3. Obergeschoss zu sehen. Alltagsgegenstände, Spielzeug, Schulhefte und Bücher vermittelten neben dem umfangreichen Bild- und Textmaterial die vielfältigen Facetten des Lebens von Kindern und Jugendlichen in der NS-Zeit. Fünf Biografien von Zeitzeugen waren in Auszügen auf Stoffbahnen gedruckt und zogen sich wie ein roter Faden durch die Ausstellung. Vom Industriemuseum wurden für diese Biografien die Elmshornerin Magda Enkelmann und Gerhard Hoch aus Alveslohe interviewt.

Der Begleitkatalog ist im Museumsladen erhältlich.
Die Sonderausstellung war ein Kooperationsprojekt von drei schleswig-holsteinischen Museen (Geschichtswerkstatt Herrenwyk, Jüdisches Museum Rendsburg und Industriemuseum Elmshorn).

Eine Übersicht über Ausstellungen vor 2002 bietet die Museumschronik