Die Frauengeschichtswerkstatt Elmshorn
Gründung
Es begann mit der Geburtstagsmatinee "85 Jahre Internationaler Frauentag" im Industriemuseum, zu der das Frauennetzwerk im März 1996 eingeladen hatte. Dazu setzten die Museumswissenschaftlerin Bärbel Böhnke und die Gleichstellungsbeauftragte Christiane Wehrmann einen historischen Rückblick in Szene. Während die eine Akteurin die Entwicklung der internationalen Frauenbewegung beschrieb, verkörperte die andere die Lebensgeschichte einer fiktiven Elmshorner Arbeiterfrau. Der Vortrag zeigte, dass die Geschichte von Frauen in Elmshorn ein blinder Fleck in der lokalen Geschichtsschreibung war. Die Gründung der Frauengeschichtswerkstatt fand daher im Anschluß an die Veranstaltung statt.
Ziel
Licht ins Dunkel der örtlichen Geschichte von Frauen zu bringen.
Arbeitsweise
Der Arbeitskreis trifft sich monatlich zu einem intensiven Austausch.
Die Teilnehmerinnen beschäftigen sich mit:
- einzelnen Lebensläufen von Frauen
- allgemeinen Lebensumständen von Frauen zu bestimmten historischen Zeitschnitten
- dem Verhältnis der Geschlechter
Bei der Beschreibung und Interpretation von autobiographischen Erzählungen ist die ausgeprägt subjektive Sichtweise zu berücksichtigen: Lebensgeschichtliche Erzählungen werden im Rückblick entworfen. Aus der Fülle des Lebens werden Begebenheiten erinnert, die für die Entwicklung wesentlich waren. Manches bleibt daher unerwähnt, anderes erhält seine Bedeutung erst bei der rückblickenden Betrachtung. Vielleicht kommt es auch zu Umdeutungen oder Rechtfertigungen. Die Frauengeschichtswerkstatt hat sich bewußt auf die Subjektivität dieser "Geschichte von unten" eingelassen.
Erfahrungen der Teilnehmerinnen
Es fanden und finden spannende Gespräche in der Gruppe statt und einige haben sich auch auf die Suche nach den eigenen historischen Wurzeln begeben. Für die eine Telnehmerin bedeutet die Geschichtsforschung eine erstmalige intensive Beschäftigung mit der Lebensgeschichte der eigenen Mutter, und das Problem von emotionaler Nähe und fehlender Distanz wurde beim Schreiben spürbar. Eine andere entdeckte die bisher nicht vermutete nationalsozialistische Haltung bei den eigenen Eltern und erfährt eine nicht geahnte individuelle Betroffenheit. Während ein weiteres Mitglied der Gruppe auf das doppelt verschwiegene Thema weiblicher Zwangsarbeiterinnen in Elmshorn stößt, macht eine nächste die faszinierende Erfahrung, aus dem "erzählten Stoff" einer Interviewpartnerin einen Artikel für eine mögliche Veröffentlichung selbst schreiben zu können und lernt dabei die Kunst, Text und Bild in eine gute Beziehung zueinander zu setzen.
Mehrere Frauen haben Interviews mit sehr alten oder älteren Frauen geführt, die zunächst skeptisch, später aber erfreut oder auch ein bißchen stolz darauf waren, dass die Frauengeschichtswerkstatt sich für ihr 'doch eigentlich ganz unbedeutendes Leben' interessiert.
Vom weißen Fleck zum dicken Lesebuch - "Frauenleben in Elmshorn"
Mittlerweile hat die Frauengeschichtswerkstatt so viel Material zusammengetragen, dass es mehrere Ordner füllt. Ein Teil erschien Ende 1998 in der Reihe "Beiträge zur Elmshorner Geschichte" mit dem Titel "Frauenleben in Elmshorn". Die Autorinnen der Elmshorner Frauengeschichtswerkstatt konnten damit erstmals ihre Forschungsergebnisse der Öffentlichkeit vorstellen. Inzwischen war und ist die Frauengeschichtswerkstatt an fast allen Ausstellungsprojekten beteiligt.
Projekte
- Aufbau eines regionalen Frauenarchivs mit Fotos, Archivalien und Objekten
- Geschichte der Migranntinnen in Elmshorn
- Geschichte der Zwangsarbeiterinnen in Elmshorn
- Sonderausstellungen zur Frauengeschichte wie "2000 Jahre Haushalt" oder "Verstrickungen"
- Ausarbeitung von Stadtführungen zur Elmshorner Frauengeschichte






